wp2shell: KI findet kritische WordPress-Lücke, Angreifer nutzen diese sofort aus
KI-generiert mit ChatGPT
Die kritische WordPress-Lücke wp2shell erlaubt Angreifern ohne Login die vollständige Übernahme betroffener Webseiten. Searchlight Cyber entdeckte die Schwachstelle nach eigenen Angaben mithilfe eines KI-Modells. Das Update auf Version 7.0.2 ist seit dem 17. Juli 2026 verfügbar. Die Schwachstelle wird jedoch bereits aktiv ausgenutzt.
Warum wp2shell so gefährlich ist
Der Fachbegriff Remote Code Execution, kurz RCE, beschreibt das Ausführen von fremdem Programmcode aus der Ferne. Bei wp2shell gelingt das ohne Anmeldung, also vor jeder Authentifizierung. Ein anonymer Angreifer benötigt weder Zugangsdaten noch ein zusätzliches Plugin. Eine Standardinstallation genügt.
Technisch verkettet der Angriff zwei Schwachstellen. Die erste ist eine SQL-Injection im Parameter author__not_in der Funktion WP_Query. Bei einer SQL-Injection bringt ein Angreifer eine Anwendung dazu, eingeschleuste Datenbankbefehle auszuführen. Besagte Schwachstelle trägt die Kennung CVE-2026-60137. Eine CVE-Nummer ist ein weltweit eindeutiger Bezeichner für eine bekannte Schwachstelle.
Allein ist diese Injection nur für angemeldete Nutzer erreichbar. Die zweite Sicherheitslücke hebt diese Hürde jedoch auf. Sie sitzt in der Batch-Route der REST-Schnittstelle unter /wp-json/batch/v1. Über diese Route lassen sich normalerweise mehrere API-Befehle bündeln. Eine Verwechslung umgeht die Anmeldepflicht. Erst dadurch wird die gesamte Kette ohne Login nutzbar. Diese zweite Schwachstelle läuft unter CVE-2026-63030.
Bei der Einstufung gehen die Bewertungen auseinander. Das BSI beziffert die gesamte Kette mit einem CVSS-Wert von 9.8 und stuft sie als kritisch ein. Für CVE-2026-60137 nennt die Bundesbehörde 9.1, für CVE-2026-63030 den Wert 7.5. Solche Ketten ohne Anmeldung sind kein Einzelfall. Bei LiteLLM eskalierte zuletzt eine aktiv ausgenutzte Schwachstelle bis zum Maximalschaden.
Betroffen sind die WordPress-Versionen 6.9.0 bis 6.9.4 sowie 7.0.0 und 7.0.1. Laut BSI trifft es zusätzlich die Beta von Version 7.1. Die Version 7.0.2 schließt beide Lücken, für den 6.9-Zweig steht 6.9.5 bereit. Ältere Installationen bis 6.8.5 sind von der kompletten Kette nicht betroffen.
Aufgrund der Schwere der Schwachstelle veranlasste WordPress.org erzwungene automatische Updates. Solche Maßnahmen sind kritischen Sicherheitslücken vorbehalten.
Warum die KI-Herkunft der Sicherheitslücke so brisant ist
Der eigentliche Wendepunkt liegt in der Entstehung der Schwachstelle. Laut Searchlight Cyber fand der Forscher Adam Kues die Angriffskette mit Unterstützung des KI-Modells GPT-5.6 Sol Ultra. Das Modell identifizierte sowohl die SQL-Injection als auch den komplexen Weg zur Codeausführung. Nach Angaben von Kues ließ sich diese Angriffskette ohne KI-Unterstützung selbst nach zehn Stunden nicht aufdecken.
Dieselbe Beschleunigung zeigt sich auf der Angreiferseite. Innerhalb von Stunden tauchten funktionierende Exploits auf GitHub auf, also fertige Angriffs-Programme. Sicherheitsfirmen führen das auf KI-gestütztes Patch-Diffing zurück, den automatisierten Vergleich von altem und gepatchtem Code. Damit schrumpfte die Zeitspanne zwischen Meldung und Ausnutzung drastisch. Schon bei einer macOS-Kernel-Lücke nannte Apple zuletzt Claude als Mitentdecker.
So sichern Admins ihre WordPress-Seite ab
Die Lage ist nicht mehr theoretisch. Mehrere Sicherheitsfirmen wie Patchstack, watchTowr und VulnCheck bestätigen laufende Angriffe. Patchstack meldete die erste Ausnutzung bereits am Abend der Veröffentlichung. Ein solches Muster kennt die Branche schon. Kurz nach dem Patch zur kritischen libssh2-Lücke wurde ein Proof-of-Concept-Exploit öffentlich.
Die weite Verbreitung erhöht das Risiko zusätzlich. WordPress kommt Schätzungen zufolge auf rund 43 % aller Websites zum Einsatz. Angriffe auf den Kern erreichen dadurch potenziell sehr viele Ziele und lassen sich leicht automatisieren. Wie groß das Risiko bei weit verbreiteter Infrastruktur werden kann, zeigte zuletzt ein 64 Tage lang offener Zero-Day in cPanel und WHM. Betroffen waren 15 Millionen Server. Ein Zero-Day ist eine Schwachstelle, die vor dem ersten Patch bereits bekannt oder ausgenutzt wird.
Unter „Werkzeuge“ und „Website-Zustand“ lässt sich prüfen, ob bereits WordPress 7.0.2 oder 6.9.5 installiert ist. Auf das erzwungene Update allein sollten sich Betreiber jedoch nicht verlassen. Ist eine sofortige Aktualisierung nicht möglich, kann der anonyme Zugriff auf `/wp-json/batch/v1` vorübergehend per WAF oder Plugin gesperrt werden. Da dies den regulären Betrieb der REST-API beeinträchtigen kann, eignet sich die Maßnahme nur als Übergangslösung. Zudem beseitigt ein Update keine bereits erfolgte Kompromittierung.
Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt vor der Schwachstelle. Wer WordPress betreibt, prüft die Version am besten sofort. Ein Update schließt die Sicherheitslücke, säubert aber keine bereits gehackte Seite.
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