Siri öffnet sich für Dritt-KI: Wird das Modell zur austauschbaren Ware?
KI-generiert mit ChatGPT
Apple plant offenbar, OpenAI, Anthropic und Google in die KI-Funktionen eines kommenden Systemupdates einzubinden. Betroffen wären iPhone, iPad und Mac. Das berichtet Mark Gurman von Bloomberg unter Berufung auf neue Siri-Datenschutzrichtlinien und interne Builds. Seit dem 14. Juli 2026 können Nutzer zudem die neue Siri in der Public Beta von iOS 27 testen. Zugleich baut Apple mit Hochdruck einen eigenen Assistenten. Aus dieser Doppelbewegung ergibt sich die eigentlich spannende Frage für die gesamte Branche.
- Was Apple auf der WWDC gezeigt hat
- Siri AI wird zum Streitfall zwischen Apple und der EU
- Das Feature, das Apple gebaut, aber nicht gezeigt hat
- Warum das Modell zur austauschbaren Ware wird
- Der Bezug zu offenen Agenten-Ökosystemen
- Häufige Fragen
- Auf welcher KI läuft die neue Siri?
- Kann ich in Siri bald ChatGPT, Claude oder Gemini auswählen?
- Was bedeutet das für KI-Anbieter wie OpenAI und Anthropic?
Es lohnt sich, beim Lesen sauber zu trennen, was bestätigt ist und was auf Berichten basiert. Bestätigt durch die eigene WWDC-Ankündigung von Apple ist die neue Siri auf Basis eines eigenen Modells namens AFM Cloud Pro. Auf Berichten von Bloomberg beruht dagegen das System für austauschbare Dritt-KI, das Apple bislang nicht offiziell vorgestellt hat.
Was Apple auf der WWDC gezeigt hat
Auf der Entwicklerkonferenz WWDC am 8. Juni 2026 stellte Apple eine grundlegend überarbeitete Siri AI vor. Diese soll laut Apple deutlich gesprächiger sein, persönlichen Kontext verstehen sowie mehrstufige Aufgaben über Apps hinweg erledigen. Die Vorstellung machte erstmals öffentlich sichtbar, wie Apple den seit 2024 angekündigten Umbau umsetzen will.
Siri AI läuft auf einem eigenen Apple-Modell AFM Cloud Pro. Dieses wurde aus der Gemini-Technik von Google destilliert und umfasst rund 1,2 Billionen Parameter. Apple-Softwarechef Craig Federighi stellte dies auf einem Media-Event nach der Keynote klar. Apple Intelligence nutzt demnach keines der Modelle, die Google an seine Kunden ausliefert. Apples KI-Vizepräsident Amar Subramanya beschrieb die Modelle als speziell auf Apple Silicon zugeschnitten. Laut Subramanya wurden diese mit proprietären Daten sowie Reinforcement Learning trainiert und danach mit Ausgaben der Gemini-Frontier-Modelle verfeinert. Gemini ist also die Grundlage, aus der Apple destilliert hat, nicht das Modell, auf dem Siri läuft.
Den zugrunde liegenden Deal hatte Apple bereits am 12. Januar 2026 per gemeinsamer Erklärung mit Google bestätigt. Laut Bloomberg zahlt Apple dafür rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr. Nach Angaben von CNBC läuft AFM Cloud Pro auf NVIDIA-Grafikkarten in der Google-Cloud. Die Grafikkarten stehen zwar in der Google-Cloud, laufen aber als Teil der Private Cloud Compute von Apple. Google darf die Anfragen vertraglich nicht für das eigene Training nutzen. Das Confidential Computing von NVIDIA verschlüsselt die Daten zusätzlich während der Verarbeitung. Hinzu kommt, dass Google Apple seit Jahren rund 20 Milliarden US-Dollar dafür zahlt, als Standardsuchmaschine auf dem iPhone voreingestellt zu sein. Nun fließt eine Milliarde zurück, damit Google die Technik für Siri liefert.
Siri AI wird zum Streitfall zwischen Apple und der EU
In der EU wird die neue KI-Version von Siri auf dem iPhone sowie dem iPad vorerst nicht erhältlich sein. Apple erklärt in einem Newsroom-Beitrag vom 8. Juni 2026, dass es dafür derzeit keinen Zeitplan gibt. Für macOS 27 und visionOS 27 soll Siri AI dagegen auch in der EU verfügbar sein. Apple begründet die Blockade mit dem Digital Markets Act. Die EU-Kommission widerspricht dieser Darstellung deutlich. Kommissionssprecher Thomas Regnier erklärt, dass nichts im DMA Apple an einem Start hindert. Die Entscheidung liegt demnach allein bei Apple. Einen Apple-Vorschlag für eine stufenweise Einführung über 18 Monate lehnte die Kommission ab.
Ende Juni 2026 sprach Tim Cook laut Financial Times mit EU-Kommissarin Henna Virkkunen. Konkrete Ergebnisse wurde nicht bekanntgegeben. Die Kommission sprach von einem konstruktiven Austausch. Der Termin fiel in Cooks Übergangsphase. Zum 1. September 2026 übergibt er den CEO-Posten an John Ternus und übernimmt anschließend als Executive Chairman den Vorsitz des Apple-Verwaltungsrats. In dieser Rolle soll er sich verstärkt mit politischen und regulatorischen Fragen befassen.
Server, KI-Modelle und Recherche kosten Geld. ClawNews ist unabhängig — hilf mit, dass das so bleibt.

