Ransomware-Verhandler machte gemeinsame Sache mit Angreifern
KI-generiert mit ChatGPT
Ein Ransomware-Verhandler sollte Opfer im Ernstfall vertreten. Stattdessen verriet er ihre Verhandlungsposition heimlich an die Angreifer. Ein US-Gericht verurteilte ihn dafür zu 70 Monaten Haft.
Der Verrat am Verhandlungstisch
Angelo Martino, 41 Jahre alt, arbeitete als Verhandler bei der Firma DigitalMint. Seine Aufgabe war es, mit Cyberkriminellen über die Lösegeldsumme zu verhandeln und diese für die Kunden zu senken. Ab April 2023 handelte er laut Anklage jedoch gegen die Interessen seiner Auftraggeber.
Martino wurde von der Ransomware-Gruppe BlackCat bezahlt. Im Gegenzug lieferte er vertrauliche Informationen über seine Kunden. Dazu zählten die Verhandlungsstrategie und die Deckungsgrenzen der Cyberversicherung. Mit diesen Informationen konnten die Angreifer die Lösegeldforderungen bei fünf Opfern gezielt erhöhen. Welche Risiken durch blindes Vertrauen und weitreichende Zugriffsrechte entstehen, beschreibt Kriminalanalyst Mark T. Hofmann im Interview über den wilden Westen der KI.
Mehr als nur Verrat
Martino gab nicht nur vertrauliche Informationen weiter. Gemeinsam mit zwei ehemaligen IT-Sicherheitsfachleuten setzte er zwischen April und November 2023 selbst die BlackCat-Ransomware gegen weitere Opfer ein. Kevin Martin war sein Kollege bei DigitalMint, Ryan Goldberg arbeitete für die Sicherheitsfirma Sygnia.
Bei einem Opfer erpresste die Gruppe rund 1,2 Millionen US-Dollar in Bitcoin. Die drei teilten die Beute untereinander auf und verschleierten anschließend die Herkunft des Geldes. Martin und Goldberg wurden bereits im Mai 2026 zu je 48 Monaten Haft verurteilt. Dass auch IT-Fachleute zur Bedrohung werden, zeigte zuletzt der Fall der China-Spionage gegen die KI-Forschung.
Die Reaktion der Behörden
Fünf Opfer zahlten laut Gerichtsunterlagen zusammen rund 75,3 Millionen US-Dollar an die Angreifer. Ein Teil davon geht auf die von Martino verratenen Informationen zurück. Die Ermittler beschlagnahmten mehr als 10 Millionen US-Dollar an Kryptowährung und weiteren Werten. Darunter waren Fahrzeuge, ein Foodtruck sowie ein Luxus-Angelboot. Martino bekannte sich am 14. April 2026 schuldig. Er hatte auf eine Strafe von 24 Monaten gehofft. Das Gericht verhängte 70 Monate. DigitalMint erklärte gegenüber CyberScoop, von den Taten nichts gewusst und Martino sofort entlassen zu haben. Das Unternehmen selbst wird nicht beschuldigt.
Laut Strafmaßempfehlung der Staatsanwaltschaft soll Martino nach seiner Haftentlassung zehn Prozent seines Einkommens für die Entschädigung der Opfer zahlen. Die genaue Summe setzt das Gericht am 17. September 2026 fest. Sicherheitsexperten wie der Comedy-Hacker Tobias Schrödel ordnen solche Fälle ein.
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