OpenClaw auf einem Mikrocontroller: pycoclaw bringt KI-Agenten auf den ESP32
KI-generiert mit Sora
Mit PyCoClaw gibt es jetzt eine OpenClaw-kompatible Agentensoftware für den ESP32. Der genannte Mikrocontroller kostet rund 5 US-Dollar und führt die Agenten-Logik lokal aus, während die Sprachmodell-Anfragen via WLAN an externe Anbieter gehen. Das Projekt zeigt, wie weit das OpenClaw-Ökosystem inzwischen reicht.
Was pycoclaw ist
Der ESP32-S3 ist ein Mikrocontroller, also ein Chip, der in Smart-Home-Geräten, Wetterstationen und DIY-Projekten steckt. Mit 16 MB Flash-Speicher und 8 MB PSRAM bietet er genug Kapazität für die Agenten-Software. Für ein lokales Sprachmodell reicht der Speicher jedoch nicht. pycoclaw löst das, indem der Chip die Steuerungslogik übernimmt und die eigentlichen KI-Anfragen an externe Dienste wie OpenAI, Gemini oder Ollama weiterleitet.
Das Projekt läuft auf MicroPython, einer schlanken Python-Variante für Mikrocontroller. Der Entwickler „jetpax“ beschreibt pycoclaw auf GitHub als vollständige Agenten-Plattform mit rekursiver Werkzeugnutzung (der Agent kann Werkzeuge aufrufen, die wiederum weitere Werkzeuge starten). Hinzu kommen Kontextkomprimierung und ein persistenter Speicher auf der SD-Karte. Die Kommunikation läuft über Telegram oder eine eigene Weboberfläche namens Scripto Studio.
Ein zentrales Feature des Agenten ist, eigene MicroPython-Skripte zu schreiben und lokal auszuführen. Wenn eine Aufgabe einmal gelöst wurde, läuft die Lösung auf dem Chip weiter, ohne dass das Sprachmodell erneut angefragt werden muss. Dazu kommt ein direkter Zugriff auf die Hardware-Pins des ESP32. Der Agent kann Sensoren auslesen, Relais schalten oder Motoren steuern.
Was funktioniert und was nicht
Der Agenten-Code umfasst laut eigenen Aussagen rund 26.000 Zeilen. Dazu kommen 18.000 Zeilen C-Erweiterungen für performance-kritische Aufgaben wie das Parsen von Server-Sent Events. Eine Touchscreen-Oberfläche über LVGL-Bindings ist ebenfalls integriert.
Die Einschränkungen sind dennoch real. Der ESP32-S3 hat nur 256 KB Arbeitsspeicher. Komplexe Aufgaben, die viel Kontext erfordern, stoßen schnell an ihre Grenzen. Jede Sprachmodell-Anfrage geht via WLAN an einen externen Dienst, was eine entsprechende Internetverbindung voraussetzt. Offline ist der Agent auf seine lokal gespeicherten Skripte beschränkt. Die Latenz hängt vollständig vom gewählten Anbieter und der Netzwerkqualität ab.
Wichtig: pycoclaw ist kein offizielles OpenClaw-Projekt und wird nicht vom OpenClaw-Team entwickelt. Das Projekt bezeichnet sich als „OpenClaw workspace-compatible“, was bedeutet, dass es die gleichen Konzepte wie Skills, SOUL.md und Heartbeat (eine regelmäßige Statusmeldung des Agenten) nutzt. Es ist aber eine eigenständige Neuimplementierung in MicroPython, kein Port des originalen OpenClaw-Codes.
Ein wachsendes Ökosystem
pycoclaw ist nicht das einzige Projekt, das den KI-Agenten OpenClaw auf günstige Hardware bringt. Mit MimiClaw existiert eine C-basierte Variante für den ESP32-S3, die ohne Betriebssystem auskommt und nur 0,5 Watt verbraucht. PicoClaw zielt auf Linux-Einplatinenrechner mit 10 MB RAM ab. Alle Projekte vereint derselbe Ansatz: Die Agenten-Logik läuft lokal, die wirkliche Rechenarbeit erledigen Cloud-APIs.
Die Adafruit-Community hat pycoclaw Anfang März vorgestellt. Auf Hacker News sorgte das Projekt Mitte März für erste Aufmerksamkeit. Auf dem zugehörigen Marktplatz ScriptoHub lassen sich Erweiterungen für den Agenten installieren, vergleichbar mit dem ClawHub im regulären OpenClaw-Ökosystem.
Die Installation erfolgt über einen Web-Installer: ESP32 per USB anschließen, pycoclaw.com im Browser öffnen und die Firmware per Klick aufspielen. Unterstützt werden der ESP32-S3 und der neuere ESP32-P4 mit RISC-V-Architektur. Support für den RP2350 ist in Arbeit.
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