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Project Panama: Wie KI-Labs Bücher zu Rohstoffen machen und was das für Autoren bedeutet

Stephan Skrobisch 24. Juni 2026 11 Min.

Unter dem internen Namen Project Panama begann Anthropic Anfang 2024 damit, Millionen gedruckter Bücher zu erwerben. Das KI-Labor ließ die Werke für den Scanprozess zerschneiden, digitalisierte sie und vernichtete die Exemplare anschließend.

Seit Monaten berichten Buchhändler in mehreren Ländern von einem ähnlichen Muster. Ein anonymer Käufer bestellt nachts in Serie alte und vergriffene Titel, manche Bestellungen umfassen mehr als tausend Bücher. Daraus ist der Verdacht entstanden, dass jemand für eine KI das kulturelle Gedächtnis aufkauft. Belegt ist dieser Verdacht bislang nicht. Konkreter ist ein anderer Punkt. Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass Project Panama darauf ausgelegt war, Bücher in großem Umfang durch einen destruktiven Scanprozess zu digitalisieren.

Die Geschichte über die leergekauften Antiquariate stammt vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sowie von Branchenmedien. Sie trifft einen wunden Punkt, vermischt aber zwei sehr unterschiedlich belastbare Dinge. Das eine ist ein aktueller, kaum belegter Verdacht. Das andere ist eine vor Gericht dokumentierte Realität mit Aktenzeichen, einem Urteil und einem Vergleich über 1,5 Milliarden US-Dollar. Dieser Artikel trennt beides und erklärt, woher die Trainingsdaten der großen Sprachmodelle wirklich kommen.

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Was steckt hinter den leergekauften Antiquariaten?

Den Stein ins Rollen brachten Buchhändler in Spanien. Das Magazin Demócrata berichtete über die kanadische Firma Zoom Books, die in großen Mengen vergriffene Titel aufkaufte. Marçal Font führt die Buchhandlung Fènix in Badalona. Gegenüber Demócrata sagte er, dass derselbe Käufer innerhalb weniger Minuten sieben Bestellungen hintereinander aufgegeben habe. Er vermutet ein automatisiertes System dahinter. Kurze Zeit später berichteten auch Händler aus Deutschland, den USA, Neuseeland sowie Australien von ähnlichen Bestellungen.

Die gekauften Titel sind auffällig. Es geht nicht um wertvolle Erstausgaben, sondern um obskure Nischenbücher, oft dreißig bis vierzig Jahre alt, häufig zu regionalen Themen. Ein gemeldeter Titel lautete „General Orders Issued by Major-General Israel Putnam”. Genau solche Bücher kauft im normalen Antiquariatshandel niemand.

Der zweite Buchhändler, Charlie Becker aus Houston, dokumentierte den Fall in seinem Newsletter. Auslöser war eine einzelne Bestellung über siebzig Bücher. Die Bestellung war so umfangreich, dass selbst die Versandabwicklung des Marktplatzes an ihre Grenzen kam. Wie weit Konzerne bei der Datenbeschaffung gehen, zeigt der Fall, dass Meta Maus und Tastatur seiner Mitarbeiter aufzeichnet.

KI-Trainingsdaten: Meta trackt Maus und Tastatur seiner Mitarbeiter
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KI-Trainingsdaten: Meta trackt Maus und Tastatur seiner MitarbeiterMeta installiert Tracking-Software auf den Arbeitsrechnern seiner US-Mitarbeiter. Die Reuters-Recherche vom 21. April 2026 stützt sich auf interne Memos aus einem Channel des Meta Superintelligence…30. April 2026

Hier endet das Belegbare und die Spekulation beginnt. Zoom Books wurde in keiner Gerichtsakte als Lieferant für KI-Training genannt. Die Firma weist die Vorwürfe gegenüber dem Branchendienst Publishers Lunch entschieden zurück. Sie digitalisiere oder zerstöre keine Bücher, um KI-Modelle zu trainieren, und auch zu keinem anderen Zweck.

Zugleich bewarb Zoom Books auf der eigenen Website ein Großhandelsangebot für KI-Trainingsdaten und verweist dabei ausdrücklich auf Project Panama. Dieser Widerspruch zwischen Eigenwerbung und Dementi ist auffällig, beweist aber keine Verbindung zu einem konkreten KI-Labor. Das Dementi betrifft das eigene Scannen. Die Eigenwerbung dagegen meint das Beliefern Dritter mit physischen Büchern.

KI-generiert mit Sora
Verdacht und Beleg

Der Fall der leergekauften Antiquariate beruht auf Einzelaussagen von Buchhändlern und auf einem Verdacht. Niemand hat einen Lieferweg von Zoom Books zu einem KI-Unternehmen belegt. Die folgenden Kapitel behandeln die dokumentierte Geschichte hinter dem Trend.

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