Patchday-Rekord durch KI: Microsoft schließt 570 Schwachstellen auf einmal
KI-generiert mit ChatGPT
Microsoft hat am Juli-Patchday nach eigener Zählung 570 Sicherheitslücken geschlossen. Das ist fast das Dreifache des Vormonats. Laut Krebs on Security führt der Konzern die Flut auf Schwachstellen zurück, die eine künstliche Intelligenz gefunden hat. Zudem hat Microsoft angekündigt, dass auch künftige Patchdays ähnlich umfangreich ausfallen werden.
Warum die Zahl je nach Quelle schwankt
Die Zählung hängt von der Methodik ab. Krebs und BleepingComputer kommen auf 570. Der Sicherheitsdienstleister Zero Day Initiative zählt 621, der Security Update Guide von Microsoft nennt 622. Der Unterschied entsteht durch Produktvarianten und die Frage, ob Chromium-Lücken mitgezählt werden. Beim Patchday im Juni 2026 wurde mit rund 206 behobenen Schwachstellen bereits ein neuer Rekord aufgestellt.
Knapp 60 der Schwachstellen gelten als kritisch. Auf Windows selbst entfallen 416 Einträge. Browser-Sicherheitslücken laufen separat und zählen nicht mit.
Der KI-Scanner als Treiber
In einem Blogbeitrag vom 9. Juli 2026 kündigte Microsoft-Manager Pavan Davuluri ein höheres Volumen an Sicherheitsupdates pro Release an. Als Grund nennt er den Einsatz von KI bei der Suche nach Fehlern. Laut The Hacker News steckt dahinter ein System namens MDASH, das bereits im Mai 2026 für das Auffinden von 16 Schwachstellen verantwortlich war. Der Trend passt zu einer ganzen Serie an Vorfällen. Wir haben die kritische libssh2-Lücke mit öffentlichem Exploit bereits eingeordnet.
Drei Zero-Days, zwei davon aktiv ausgenutzt
Microsoft schloss drei Zero-Days, also Schwachstellen, die bereits vor Veröffentlichung der Patches bekannt waren. Zwei werden bereits aktiv ausgenutzt. Einer der drei Zero-Days trägt die standardisierte Kennung CVE-2026-56155 und betrifft die Active Directory Federation Services. Besagte Sicherheitslücke erlaubt eine lokale Rechteausweitung. Die zweite Lücke CVE-2026-56164 sitzt im SharePoint Server und lässt sich über das Netzwerk ohne Anmeldung ausnutzen.
Die Entdeckungen gehen auf verschiedene Sicherheitsteams zurück. Die ADFS-Lücke fand Microsofts eigenes Notfallteam DART. Die SharePoint-Lücke entdeckten laut The Hacker News Mandiant und Googles FLARE-Team.
Der dritte Zero-Day CVE-2026-50661 ist ein Bypass von BitLocker. Dieser war öffentlich bekannt, wird laut Microsoft aktuell aber nicht ausgenutzt. Laut Dark Reading hat die US-Behörde CISA die beiden missbrauchten Schwachstellen in ihren Katalog aufgenommen.
Der Exploitability-Index gerät ins Wanken
Microsoft bewertet Sicherheitslücken seit Jahren mit einem Exploitability-Index. Dieser schätzt, wie wahrscheinlich ein funktionierender Angriff ist. Satnam Narang vom Sicherheitsunternehmen Tenable hält diese Bewertung im KI-Zeitalter für fragil. Das Red Team von Anthropic testete Mythos Preview anhand von 14 solcher Lücken. Bei 13 davon gelang ein Machbarkeitsnachweis, obwohl eine erfolgreiche Ausnutzung als unwahrscheinlich galt.
Der Index bewertet die Angreifbarkeit aus Sicht eines Menschen. KI-Werkzeuge können diese Einschätzung jedoch grundlegend verändern. Wie riskant KI-Agenten mit Vollzugriff bereits heute sind, hat der Kriminalanalyst Mark T. Hofmann im Interview über den wilden Westen der KI eingeordnet.
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