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OpenClaw: Vom Hobbyprojekt zum Hype. Was steckt hinter der „gefährlichsten Software der Welt“?

Stephan Skrobisch 17. März 2026 8 Min.

OpenClaw ist ein Open-Source-KI-Agent, der auf dem eigenen Rechner läuft und über Messenger wie WhatsApp oder Telegram gesteuert wird. Der Agent führt eigenständig Aufgaben aus, vom E-Mail-Management bis zur Browsersteuerung. Das Projekt des österreichischen Entwicklers Peter Steinberger hat in weniger als drei Monaten über 236.000 GitHub-Stars gesammelt. Kaum eine Software hat die Tech-Welt zuletzt so gespalten.

Nur wenige Softwareprojekte konnten so schnell so viel Aufmerksamkeit erzeugen. Selten war die Diskussion so widersprüchlich. Die einen sehen in OpenClaw den Startschuss für eine neue Ära autonomer KI-Assistenten. Die anderen halten den Agenten für ein unkontrollierbares Sicherheitsrisiko. Beide Seiten meinen, im Recht zu sein. Beide haben gute Argumente.

Vom Wochenendprojekt zum Rekordhalter

Die Geschichte von OpenClaw beginnt im November 2025. Peter Steinberger hatte sein Unternehmen PSPDFKit verkauft. Hierbei handelt es sich um eine PDF-Software, die auf über einer Milliarde Geräten lief. Der Erlös lag laut Fortune bei rund 100 Millionen Euro. Danach legte er eine dreijährige Pause ein. Er hatte laut eigenen Angaben erstmal genug vom Coden.

Im April 2025 entdeckte Steinberger dann das sogenannte Vibe Coding. Dabei schreibt nicht mehr der Entwickler jede Zeile Code selbst, sondern beschreibt der KI, was die Software machen soll. Die KI übernimmt die Umsetzung. Für Steinberger fühlte sich das nach eigener Aussage wie ein Paradigmenwechsel an. Die Freude am Bauen kam zurück.

Was als privates Experiment mit dem Namen „WhatsApp Relay“ startete, wurde schnell größer. Ende November 2025 erschien die erste Version unter dem Namen Clawd auf GitHub. Dann kam die Umbenennung: Anthropic bat wegen der Ähnlichkeit zum eigenen KI-Modell Claude um eine Namensänderung. Aus Clawd wurde kurzzeitig Moltbot, bevor das Projekt Ende Januar 2026 seinen endgültigen Namen erhielt: OpenClaw.

Die Zahlen dahinter sind bemerkenswert. Innerhalb von zwei Monaten erreichte das Repository 100.000 GitHub-Stars. In einer einzigen Woche kamen über zwei Millionen Besucher auf die Projektseite. Stand Ende Februar 2026 steht der Zähler bei mehr als 236.000 Stars. Zum Vergleich: Kubernetes, eines der wichtigsten Open-Source-Projekte weltweit, brauchte dafür Jahre.

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Was macht OpenClaw anders?

Um zu verstehen, warum OpenClaw so eingeschlagen hat, muss man verstehen, was den Agenten von herkömmlichen KI-Chatbots unterscheidet.

Ein klassischer Chatbot wie zum Beispiel ChatGPT oder Gemini wartet auf eine Eingabe und liefert eine Antwort. OpenClaw geht weiter. Der Agent läuft dauerhaft auf dem Rechner des Nutzers und agiert eigenständig. Du gibst über WhatsApp, Telegram oder Signal einen Auftrag. OpenClaw plant daraufhin die nötigen Schritte, führt sie aus und korrigiert sich selbst bei Fehlern.

Konkret bedeutet das: OpenClaw kann Dateien erstellen und bearbeiten. Der Agent kann Software installieren, Skripte schreiben und ausführen. Er kann Internetdienste kontaktieren und den Browser steuern, inklusive Mausbewegungen und Klicks. Die sogenannte „Computer Use“-Fähigkeit simuliert dabei einen menschlichen Nutzer am Bildschirm. Das ist keine Fernsteuerung im klassischen Sinne. Es ist ein digitaler Mitarbeiter, der den Rechner bedient, als säße er davor.

Die Fähigkeiten des Agenten lassen sich durch sogenannte Skills erweitern. Das Prinzip kennen die meisten vom Smartphone: So wie sich im App Store neue Apps installieren lassen, finden sich auf ClawHub neue Fähigkeiten für den eigenen Agenten. Ein Skill kann zum Beispiel einen Passwortmanager anbinden, damit OpenClaw sich selbstständig bei Webdiensten anmeldet. Mittlerweile stehen über 3.200 solcher Skills zur Verfügung.

Zum Ökosystem gehört außerdem Moltbook, ein soziales Netzwerk, in dem OpenClaw-Agenten miteinander interagieren. Screenshots von Agenten, die untereinander Pläne schmiedeten, gingen viral. Im Lex-Fridman-Podcast bezeichneten die beiden Moltbook als „Kunst“ und „den feinsten Slop“.

Der technische Ansatz hinter OpenClaw ist bewusst simpel gehalten. Keine aufwendige Koordination zwischen mehreren KI-Agenten. Kein kompliziertes Datenbank-Setup. Das Gedächtnis basiert auf einfachen Textdateien im Markdown-Format. Markdown ist ein schlichtes Textformat, das auch ohne spezielle Software lesbar ist. Diese Einfachheit ist kein Nachteil. Sie ist der Grund, warum ein einzelner Entwickler den Agenten in so kurzer Zeit aufbauen konnte. Sie ist auch der Grund, warum die Community so schnell wachsen kann.

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