OpenAI fordert Repo-Löschung? Hinter der viralen GitHub-Issue steckt Satire
KI-generiert mit ChatGPT
Anfang Mai 2026 ging unter anderem auf Instagram der Screenshot eines GitHub-Issues mit dem Titel „Please delete your repository“ viral. Der Text gibt sich als Nachricht eines „OpenAI Model Training Acquisition Team“ aus. Er verlangt vom Entwickler, das Projekt sofort zu löschen. Hinter dem Aufruf steckt jedoch keine echte Aufforderung von OpenAI, sondern Satire. Der Repo-Inhaber hat die Issue selbst verfasst und später als Scherz aufgelöst.
Was in der Issue steht
Der angebliche Post klingt zunächst dramatisch. Eine „root cause analysis“ habe ergeben, dass der Code die durchschnittliche Modell-Performance im Alleingang um 91 % senkt. So steht es im Issue-Text. Ohne dieses Repository, so der Text weiter, läge die Wahrscheinlichkeit bei 21 %, dass die Menschheit längst Krebs geheilt hätte. Unterzeichnet ist die Nachricht mit „Thank you, OpenAI Model Training Acquisition Team“.
Wer den Screenshot ohne Kontext sieht, kann ihn für echt halten. Eine reale Organisationseinheit dieses Namens gibt es bei OpenAI nicht. Die Signatur ist erfunden und Teil des Gags.
Der Repo-Inhaber löst es selbst auf
Die Issue trägt die Nummer #638 im Projekt ladderly-3. Eine zweite Issue (#639) legte derselbe Nutzer kurz darauf an. Eröffnet hat beide der Entwickler mit dem GitHub-Handle Vandivier, erkennbar am „Owner“-Badge direkt neben dem Namen. Er ist also nicht Adressat, sondern Urheber.
Im ersten Kommentar darunter macht der Entwickler die Pointe klar. „twas a joke“, schreibt er, verlinkt seine Community-Plattform ladderly.io und merkt an, dass der Post auf Instagram massiv viral ging. Die Issue hat er anschließend selbst geschlossen. Die Reaktionen der GitHub-Community bestätigen die Lesart: 153 lachende Emojis stehen unter dem Eintrag, dazu Daumen hoch und Herzen.

Der ernste Kern hinter dem Witz
Der Scherz funktioniert nur, weil eine reale Praxis dahintersteht. KI-Anbieter trainieren ihre Modelle unter anderem auf öffentlich zugänglichem Quellcode von GitHub. Der Galgenhumor des Posts spielt mit dem Unbehagen vieler Entwickler darüber, dass ihr Code ungefragt zu Trainingsmaterial wird. Wie sehr das Thema die Branche umtreibt, zeigt der Fall Meta. Der Konzern zeichnet dort Maus- und Tastatureingaben von Mitarbeitern für KI-Trainingsdaten auf.
Ein zweiter Aspekt macht den Fall über das reine Fundstück hinaus interessant. Eine Anweisung, die in einer GitHub-Issue steht und sich an eine KI richtet, ist eine real existierende Angriffsfläche. Solche Manipulationsversuche nennen sich Prompt Injection. Dabei schmuggelt ein Angreifer versteckte Befehle in Inhalte, die ein KI-System verarbeitet.
Genau über diesen Weg wurde bei einem dokumentierten Angriff das KI-Tool Cline gekapert und OpenClaw auf tausenden Rechnern installiert. Wie gefährlich ein KI-Agent mit Vollzugriff wie OpenClaw werden kann, zeigt die Sicherheitsdebatte rund um das Projekt. Im Fall des ladderly-3-Issues ist es nur ein Scherz. Der Angriffsvektor ist trotzdem ernstzunehmen.
Die Episode passt in eine wachsende Flut halbgarer KI-Inhalte im Netz. Dafür hat sich der Begriff AI Slop eingebürgert. Hier ist der Auslöser zwar ein bewusster Witz eines Menschen. Doch er zeigt, wie schnell ein Screenshot ohne Kontext für bare Münze genommen wird.
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