Nordkorea: 108 Schad-Pakete in PolinRider-Kampagne
KI-generiert mit ChatGPT
Sicherheitsforscher von Socket haben 108 Schad-Pakete und Browser-Erweiterungen entdeckt. Verteilt wurden diese über npm, Packagist, Go und den Chrome Web Store. Die Forscher ordnen die Kampagne namens PolinRider nordkoreanischen Akteuren zu. Ziel sind Softwareentwickler und Beschäftigte im Kryptobereich. Betroffene Entwickler sollten ihre Umgebung als kompromittiert behandeln.
Was Socket gefunden hat
Laut dem Socket-Forscher Karlo Zanki umfassen die Funde 162 bösartige Release-Artefakte, die zu 108 einzelnen Paketen und Erweiterungen gehören. Socket ordnet die Funde 80 Go-Modulen, 10 Packagist-Paketen und einer Chrome-Erweiterung zu. The Hacker News schlüsselt die Funde etwas anders auf und zählt 19 npm-Bibliotheken, 10 Composer-Pakete, 61 Go-Module und eine Chrome-Erweiterung. Die Kampagne ist nach Angaben der Forscher weiterhin aktiv. Weitere Schadpakete könnten also folgen. Die Angreifer übernehmen Maintainer-Konten und veröffentlichen darüber kompromittierte Versionen von legitimen Projekten.
PolinRider gilt als Teil der seit mindestens 2023 aktiven Operation Contagious Interview. Die Nordkorea zugeschriebene Kampagne ködert Entwickler mit angeblichen Jobangeboten. Angreifer geben sich auf LinkedIn, GitHub oder Freelance-Plattformen als Recruiter aus und bringen Entwickler dazu, Schadcode auszuführen. Damit reiht sich der Fall in eine Serie von Supply-Chain-Angriffen auf Entwickler-Pakete ein.
Wie der Angriff funktioniert
Das Grundmuster der Kampagne bleibt gleich. Die Angreifer verstecken verschleierten JavaScript-Code in legitimen Repositorys, der anschließend weitere Schadsoftware nachlädt. Der Schadcode liegt nicht offen sichtbar im Repository. Dieser wird durch lange Leerzeichen-Blöcke verschleiert oder in angeblichen WOFF2-Schriftdateien versteckt. Gestartet wird der Schadcode über Entwicklerwerkzeuge, wie etwa Task-Dateien von VS Code. Besagte Aufgaben enthalten die Option runOn: folderOpen, die beliebigen Code startet, sobald ein Ordner als Arbeitsbereich geöffnet wird.
Besonders heikel ist der Angriff auf die Vertrauenskette selbst. Die Angreifer schreiben laut Zanki die Git-Historie um und datieren Commits zurück. So wirken die Änderungen älter und harmloser, als sie sind. Die GitHub-Startseite und die sichtbare Commit-Historie taugen dadurch nur noch bedingt als Warnsignal. Das nachgeladene Programm nutzt Blockchain-Dienste wie TRON, Aptos und die BNB Smart Chain als Ablageort für weiteren Schadcode. Nach dem Entschlüsseln landet auf dem System der Fernzugriffs-Trojaner DEV#POPPER sowie der Datendieb OmniStealer.
Die Taktik reiht sich in eine Serie ähnlicher Angriffe ein. Der Missbrauch von VS-Code-Aufgaben und getarnten Schriftdateien überschneidet sich mit den Clustern Fake Font und TaskJacker. Ähnliche Muster zeigt der Supply-Chain-Angriff Miasma auf npm-Pakete von Red Hat. Auch dort steckten die Schad-Loader in Konfigurationsdateien.
Die Taktik passt in eine größere Angriffswelle. Der Missbrauch von VS-Code-Aufgaben und getarnten Schriftdateien erinnert an die Cluster Fake Font sowie TaskJacker. Ähnliche Parallelen zeigte auch Miasma, ein Supply-Chain-Angriff auf npm-Pakete von Red Hat. Dort war Code zum Nachladen weiterer Schadsoftware in Konfigurationsdateien versteckt.
Was Betroffene jetzt unternehmen sollten
Wer eines der betroffenen Pakete installiert hat, behandelt die Umgebung als kompromittiert. Socket rät, offengelegte Zugangsdaten von einem sauberen Rechner aus zu wechseln, nicht vom möglicherweise infizierten Gerät. Zusätzlich sollten Entwickler ihre Workstations und Repositorys auf versteckte Ausführungspfade prüfen. Verdächtig sind Änderungen an Konfigurationsdateien wie .vscode/tasks.json, config.js, vite.config.js und eslint.config.js.
Der Fall zeigt, wie stark die Software-Lieferkette unter Druck steht. Als Reaktion auf solche Angriffe blockiert npm ab Werk die automatischen Install-Skripte in Version 12. Wie KI-Werkzeuge die Angriffsfläche vergrößern, ordnet unsere Analyse zur Supply Chain in der KI-Ära ein.
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