Nach OpenAI-Deal: Amazon legt Film über Sam Altman auf Eis
KI-generiert mit ChatGPT
Amazon MGM Studios hat den fast fertigen Film „Artificial” über OpenAI-Chef Sam Altman fallengelassen, wie Variety und The Hollywood Reporter übereinstimmend berichten. Brisant wirkt der Zeitpunkt. Der Rückzug folgte wenige Monate auf eine milliardenschwere Partnerschaft zwischen Amazon und OpenAI.
Der Fall ist mehr als eine Personalie aus der Filmbranche. Er zeigt, wie eng die Interessen von Tech-Konzernen und Unterhaltungsindustrie inzwischen verflochten sind. Zudem wirft dies eine Frage auf. Was passiert, wenn ein Studio einen kritischen Film über einen seiner wichtigsten Geschäftspartner finanziert hat?
Worum es bei dem Film geht
„Artificial” ist eine biografische Tragikomödie von Regisseur Luca Guadagnino, geschrieben vom früheren SNL-Autor Simon Rich. Der ehemalige Spider-Man Andrew Garfield spielt Sam Altman. Der Film dreht sich um die turbulente Phase im November 2023. Damals wurde Altman binnen weniger Tage als OpenAI-Chef gefeuert und wieder eingestellt.
Die Besetzung ist hochkarätig. Monica Barbaro spielt die frühere OpenAI-Technikchefin Mira Murati, Yura Borisov den Mitgründer und früheren Chefwissenschaftler Ilya Sutskever. Ike Barinholtz übernimmt die Rolle von Elon Musk.
Beobachter beschreiben das Werk als eine Art Social Network für das KI-Zeitalter. Gedreht wurde in San Francisco und Italien. Laut Variety handelt es sich um eine Produktion mit einem Budget von rund 40 Millionen US-Dollar.
Die Darstellung der realen Personen fällt offenbar nicht schmeichelhaft aus. Laut Variety wird Altman im Film als pathologischer Lügner und Musk als unsympathisch gezeichnet. Diese Einschätzungen stammen aus Test-Vorführungen und werden von Personen berichtet, die den Film gesehen haben. Es sind also Eindrücke aus dem Umfeld des Projekts, keine belastbare Bewertung. Trotz der erwähnten Schärfe sollen die Test-Screenings in Los Angeles laut mehreren Berichten gut angekommen sein.
Das brisante Timing
Der Kern der Geschichte liegt im zeitlichen Zusammenhang. Amazon MGM hatte den Film entwickelt und für Anfang 2027 eingeplant. Dann stieg das Studio komplett aus. Diese Entscheidung fiel nur wenige Monate nach der angekündigten Investition von Amazon über 50 Milliarden US-Dollar in OpenAI. Die Partnerschaft soll OpenAI Zugang zur Rechenkapazität von Amazon verschaffen.
Laut einem Bericht des Branchendienstes Puck kam die Entscheidung von Mike Hopkins. Er ist Chef von Prime Video sowie Amazon MGM Studios. Der Regisseur soll laut New York Times überrascht gewesen sein, weil Amazon das Projekt bis dahin unterstützt hatte.
Amazon selbst weist einen Zusammenhang mit dem Inhalt zurück. In einer Stellungnahme erklärte ein Sprecher, das Amazon größten Respekt vor Guadagnino als preisgekröntem Filmemacher habe. Das Unternehmen hoffe auf eine Fortsetzung der langjährigen Beziehung. Der Film sei bei einem anderen Studio besser aufgehoben. Sowohl Amazon als auch das Team ist bemüht, eine neue Heimat für den Streifen zu finden.
Eine inhaltliche Begründung für den Ausstieg nannte Amazon nicht. Die Vermutung eines Interessenkonflikts liegt nahe, ist aber von Amazon ausdrücklich bestritten und nicht bewiesen.
Die Suche nach einem neuen Studio
Nach dem Ausstieg begann eine Reihe von Vorführungen für andere Interessenten. Das Ergebnis fiel zunächst ernüchternd aus. Laut Variety und The Hollywood Reporter sagten gleich mehrere große Studios ab. Dazu zählten Netflix, Focus Features, A24 und die Warner-Bros.-Einheit Clockwork. Mubi soll das Projekt weiter verfolgen, auch Neon wird als möglicher Interessent genannt.
Die Zurückhaltung der Branche hat einen vielsagenden Hintergrund. Selbst unabhängige Studios mit KI-Ambitionen oder Verflechtungen zu großen Tech-Konzernen haben Gründe zur Vorsicht. A24 etwa wird von Josh Kushners Investmentfirma Thrive Capital unterstützt. Besagtes Unternehmen hält einen Sitz im Verwaltungsrat und zählt zu den prominentesten Geldgebern von OpenAI. Ein Film, der den OpenAI-Chef unvorteilhaft zeigt, ist damit für viele potenzielle Käufer problematisch.
Der Vorgang wirkt wie ein kleines Detail, erzählt aber viel über die neue Machtordnung der KI-Branche. Die enormen Geldflüsse rund um OpenAI prägen längst Entscheidungen weit über die Technik hinaus. Welche Dimensionen diese Finanzlage hat, zeigt unser Bericht zum Milliardenverlust bei OpenAI. Wer derart im Zentrum solcher Summen steht, wird zu einem Geschäftspartner, den kaum jemand verärgern möchte.
Wie es mit dem Film weitergeht, ist offen. Sollte Mubi übernehmen, wäre eine Premiere bei den Filmfestspielen von Venedig denkbar, wo Guadagnino viele seiner Arbeiten vorgestellt hat. Sicher ist nur, dass die Geschichte hinter dem Film inzwischen fast mehr Aufmerksamkeit bekommt als der Film selbst. Ein kritisches Werk über die Macht der KI-Konzerne wird ausgerechnet von dieser Macht eingeholt.
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