Nach Druck aus China: OpenAI senkt die Preise
KI-generiert mit ChatGPT
OpenAI erwägt laut Wall Street Journal drastische Senkungen seiner Token-Preise, um dem Rivalen Anthropic Kunden abzujagen. Doch chinesische Unternehmen wie DeepSeek sind längst deutlich günstiger. Quelloffene Anbieter kosten laut Decrypt damit rund 92 % weniger als geschlossene Alternativen. Der eigentliche Preiskampf ist entschieden, bevor er zwischen den beiden US-Konzernen begonnen hat.
Was OpenAI plant
Laut dem Bericht prüft OpenAI deutliche Preissenkungen für Token, die Abrechnungseinheit für KI-Modelle. Der Schritt soll einer ähnlichen Preisanpassung von Anthropic zuvorkommen. Konkrete Beträge oder ein Zeitplan stehen noch nicht fest. Die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen, heißt es.
Firmenchef Sam Altman hatte die Preissenkung bereits öffentlich anklingen lassen. Die Kosten seien für Geschäftskunden zu einem großen Problem geworden, sagte er auf einer Veranstaltung. Man werde Wege finden, den Kunden mehr Wert für weniger Geld zu bieten. Wie sehr die Kosten zur Chefsache geworden sind, zeigt auch das Schlagwort Tokenomics.
Warum gerade jetzt
Der Auslöser ist eine Verschiebung an der Spitze. Anthropic hat OpenAI bei den Geschäftskunden erstmals überholt. Der Ramp AI Index für Mai 2026 sieht Anthropic bei 34,4 % der Unternehmensakzeptanz, OpenAI bei 32,3 %. Es ist das erste Mal, dass Anthropic besagten Index anführt.
Hinter dem Wechsel steht vor allem das Coding-Werkzeug Claude Code. Die annualisierte Run-Rate von Anthropic stieg laut decrypt stark. Von rund 9 Milliarden US-Dollar Ende 2025 ging es auf etwa 47 Milliarden im Mai 2026. Das ist ein Plus von 422 % in fünf Monaten. OpenAI ist damit zum ersten Mal nicht Taktgeber, sondern Verfolger. Wenige Tage vor OpenAI hatte Anthropic einen vertraulichen IPO-Antrag eingereicht.
Die IPO-Falle
Das Timing macht den Preiskrieg heikel. Beide Unternehmen bereiten ihren Börsengang vor. OpenAI reichte Anfang Juni 2026 vertraulich einen Antrag ein, Anthropic hatte das wenige Tage zuvor getan. Ausgerechnet jetzt geraten die Preise unter Druck und damit auch das Börsenargument beider Unternehmen.
Niedrigere Preise drücken die Gewinnmarge, und die wiederrum bestimmt die Bewertung an der Börse. Beide Konzerne schreiben tiefrote Zahlen. OpenAI verbuchte im ersten Quartal 2026 eine negative operative Marge. Ein Preiskrieg verschärft dieses Problem, ausgerechnet vor dem Gang aufs Parkett. Welche Dimensionen die Verluste annehmen, zeigt der Fall um den 38,5-Milliarden-Verlust bei OpenAI.
China hat den Krieg schon entschieden
Während OpenAI und Anthropic noch über Senkungen beraten, ist China preislich längst weiter. DeepSeek, GLM oder Kimi werden laut Decrypt für rund 8 % der Kosten geschlossener Modelle angeboten. In Coding-Benchmarks treten dieselben Modelle bereits gegen Claude Opus an.
Diese Preise gelten dauerhaft, nicht als Aktion. Für Unternehmen ist das ein Ausweg, noch bevor der Preiskrieg zwischen OpenAI und Anthropic überhaupt begonnen hat. Der jüngste Schritt war eine dauerhafte Preissenkung von DeepSeek um 75 %.
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