Zum Inhalt springen
✓ Lesezeichen gespeichert
claw:// LLM & MODELLE

Mozilla: Open-Source-KI liegt fast auf ChatGPT-Niveau

Stephan Skrobisch 23. Juli 2026 4 Min.

Der Leistungsabstand zwischen offenen und geschlossenen KI-Modellen ist deutlich geschrumpft. Zu diesem Schluss kommt der erste State-of-Open-Source-AI-Report von Mozilla. Bei der Finanzierung und Kontrolle der Modelle gibt es jedoch weiterhin deutliche Schwächen.

Fast gleichauf, aber viel günstiger

Der Report stützt sich auf eine neue Analyse sowie eine Umfrage unter mehr als 950 Entwicklern. Laut Mozilla beträgt der Rückstand auf führende geschlossene Modelle wie ChatGPT oder Claude nur noch 3,3 %. Gleichzeitig sind die Kosten stark gefallen. Eine Million Token in GPT-4-Qualität kostet laut Report statt 20 US-Dollar nur noch 0,40 US-Dollar.

In der Praxis zeigt sich jedoch eine Lücke. Zwar nutzen 79 % der befragten Entwickler offene Modelle, produktiv eingesetzt werden diese aber nur von 51 %. Bei geschlossenen Modellen sind es 63 %. Mozilla führt diese Lücke nicht auf die Qualität der Modelle zurück, sondern auf fehlende Infrastruktur und geeignete Werkzeuge.

AnzeigeAnzeige

Was der Durchschnitt verdeckt

Die Kernzahl verdient allerdings eine Einordnung. Die 3,3 % sind ein Durchschnitt über den Chatbot-Arena-Benchmark. Der Report weist selbst darauf hin, dass dieser Durchschnitt große Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen verdeckt. Bei Programmierung, Instruktionsbefolgung und Allgemeinwissen sind offene Modelle nahezu gleichauf. Beim logischen Schlussfolgern, bei langen Kontexten sowie bei Aufgaben für KI-Agenten liegen geschlossene Modelle jedoch weiterhin deutlich vorn.

Wie wenig belastbar solche Bestenlisten mitunter sind, zeigt auch, wie leicht sich die wichtigsten KI-Benchmarks manipulieren lassen.

Zehn Zeilen Python reichen: Wie Berkeley-Forscher die wichtigsten KI-Benchmarks brechen
claw://NEWS
Zehn Zeilen Python reichen: Wie Berkeley-Forscher die wichtigsten KI-Benchmarks brechenEin Forschungsteam der UC Berkeley hat einen Agenten gebaut, der acht der wichtigsten KI-Benchmarks mit nahezu perfekten Scores absolviert. Gelöst hat der Agent dabei keine…24. April 2026

Das US-Magazin TIME merkt zudem an, dass der Report die Risiken offener Modelle kaum behandelt. Mozilla-CTO Raffi Krikorian bezeichnet den Report gegenüber TIME auch als Teil der eigenen Agenda gegen die Machtkonzentration in der KI-Branche. Zugleich deutet er an, dass Mozilla in einigen Monaten eine eigene Software veröffentlichen könnte, die offene Modelle in Anwendungen einbindet sowie ihre Fähigkeiten erweitert.

Die Nutzung wächst, die Einnahmen bleiben aus

Auf der Modellplattform OpenRouter entfiel zwischen Mai und September 2025 laut Report ein Fünftel der Nutzung auf Modelle mit offenen Gewichten. Ihr Anteil an den Einnahmen lag jedoch nur bei 4 %. Inzwischen läuft auf OpenRouter sogar die Mehrheit der Token über offene Modelle. Der wirtschaftliche Wert fließt dennoch kaum an das Ökosystem zurück, das diese Modelle entwickelt und bereitstellt.

Regional liegt Ostasien vorn. In China gehört offene KI laut Mozilla inzwischen zur nationalen Strategie. Die Übernahme durch quelloffene Werkzeuge zeigt sich auch am Erfolg von OpenClaw, dem quelloffenen KI-Agenten.

OpenClaw: Vom Hobbyprojekt zum Hype. Was steckt hinter der „gefährlichsten Software der Welt“?
claw://OPENCLAW
OpenClaw: Vom Hobbyprojekt zum Hype. Was steckt hinter der „gefährlichsten Software der Welt“?OpenClaw ist ein Open-Source-KI-Agent, der auf dem eigenen Rechner läuft und über Messenger wie WhatsApp oder Telegram gesteuert wird. Der Agent führt eigenständig Aufgaben aus,…17. März 2026

Nicht das Modell zählt, sondern die Steuerung

Der wichtigste Befund ist zugleich der am wenigsten offensichtliche. Laut Mozilla entscheidet nicht mehr allein das Modell über die Fähigkeiten eines KI-Systems. Ausschlaggebend ist die Software drum herum. Diese legt fest, auf welche Daten ein KI-Agent zugreifen kann, was er dauerhaft speichert und welche Aufgaben der Agent selbstständig ausführt. Wer diese Ebene kontrolliert, bestimmt damit auch das Verhalten der KI. Genau diese Schicht entsteht laut Report mit sehr wenigen Leitplanken. Nutzer winken Anfragen ihrer Agenten in bis zu 93 % der Fälle einfach durch. Mozilla nennt das Einwilligungsmüdigkeit. Wie riskant das bei einem KI-Agenten mit Vollzugriff wird, haben wir mehrfach eingeordnet.

OpenClaw und die Sicherheitsfrage: Wie gefährlich ist ein KI-Agent mit Vollzugriff?
claw://SECURITY
OpenClaw und die Sicherheitsfrage: Wie gefährlich ist ein KI-Agent mit Vollzugriff?Bei OpenClaw ist es möglich, dem KI-Agenten Vollzugriff auf den eigenen Rechner zu geben. Seit dem Start im Januar 2026 wurden bislang neun Sicherheitslücken offengelegt…17. März 2026

Mozilla fordert deshalb mehr Investitionen in Infrastruktur, Werkzeuge und Governance für offene KI. Zu den Empfehlungen zählen eine offene Steuerungsschicht und portable Berechtigungsstandards für Agenten. Wie stark die Steuerung das Verhalten prägt, zeigt schon der Umgang mit der SOUL.md. Diese zentrale Steuerdatei legt Persönlichkeit und Regeln eines OpenClaw-Agenten fest.

OpenClaw SOUL.md schreiben: So steuerst du deinen Agenten
claw://TUTORIALS
OpenClaw SOUL.md schreiben: So steuerst du deinen AgentenDie SOUL.md ist die wichtigste Konfigurationsdatei im OpenClaw-Ökosystem. Sie bestimmt, wer dein Agent ist, wie er kommuniziert und wo seine Grenzen liegen. Vor jeder Nachricht…23. März 2026
❤️
Hat dir der Artikel gefallen?

Server, KI-Modelle und Recherche kosten Geld. ClawNews ist unabhängig — hilf mit, dass das so bleibt.

Unterstützen
Diskutiere mit uns
Fragen, Meinungen, Feedback? Ab in den Discord.
Zum Discord →
ClawHub
claw://News für deinen Agenten
Briefings, Alerts & Recherche — direkt in OpenClaw.
Skill installieren →