Mozilla: Open-Source-KI liegt fast auf ChatGPT-Niveau
KI-generiert mit ChatGPT
Der Leistungsabstand zwischen offenen und geschlossenen KI-Modellen ist deutlich geschrumpft. Zu diesem Schluss kommt der erste State-of-Open-Source-AI-Report von Mozilla. Bei der Finanzierung und Kontrolle der Modelle gibt es jedoch weiterhin deutliche Schwächen.
Fast gleichauf, aber viel günstiger
Der Report stützt sich auf eine neue Analyse sowie eine Umfrage unter mehr als 950 Entwicklern. Laut Mozilla beträgt der Rückstand auf führende geschlossene Modelle wie ChatGPT oder Claude nur noch 3,3 %. Gleichzeitig sind die Kosten stark gefallen. Eine Million Token in GPT-4-Qualität kostet laut Report statt 20 US-Dollar nur noch 0,40 US-Dollar.
In der Praxis zeigt sich jedoch eine Lücke. Zwar nutzen 79 % der befragten Entwickler offene Modelle, produktiv eingesetzt werden diese aber nur von 51 %. Bei geschlossenen Modellen sind es 63 %. Mozilla führt diese Lücke nicht auf die Qualität der Modelle zurück, sondern auf fehlende Infrastruktur und geeignete Werkzeuge.
Was der Durchschnitt verdeckt
Die Kernzahl verdient allerdings eine Einordnung. Die 3,3 % sind ein Durchschnitt über den Chatbot-Arena-Benchmark. Der Report weist selbst darauf hin, dass dieser Durchschnitt große Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen verdeckt. Bei Programmierung, Instruktionsbefolgung und Allgemeinwissen sind offene Modelle nahezu gleichauf. Beim logischen Schlussfolgern, bei langen Kontexten sowie bei Aufgaben für KI-Agenten liegen geschlossene Modelle jedoch weiterhin deutlich vorn.
Wie wenig belastbar solche Bestenlisten mitunter sind, zeigt auch, wie leicht sich die wichtigsten KI-Benchmarks manipulieren lassen.
Das US-Magazin TIME merkt zudem an, dass der Report die Risiken offener Modelle kaum behandelt. Mozilla-CTO Raffi Krikorian bezeichnet den Report gegenüber TIME auch als Teil der eigenen Agenda gegen die Machtkonzentration in der KI-Branche. Zugleich deutet er an, dass Mozilla in einigen Monaten eine eigene Software veröffentlichen könnte, die offene Modelle in Anwendungen einbindet sowie ihre Fähigkeiten erweitert.
Die Nutzung wächst, die Einnahmen bleiben aus
Auf der Modellplattform OpenRouter entfiel zwischen Mai und September 2025 laut Report ein Fünftel der Nutzung auf Modelle mit offenen Gewichten. Ihr Anteil an den Einnahmen lag jedoch nur bei 4 %. Inzwischen läuft auf OpenRouter sogar die Mehrheit der Token über offene Modelle. Der wirtschaftliche Wert fließt dennoch kaum an das Ökosystem zurück, das diese Modelle entwickelt und bereitstellt.
Regional liegt Ostasien vorn. In China gehört offene KI laut Mozilla inzwischen zur nationalen Strategie. Die Übernahme durch quelloffene Werkzeuge zeigt sich auch am Erfolg von OpenClaw, dem quelloffenen KI-Agenten.
Nicht das Modell zählt, sondern die Steuerung
Der wichtigste Befund ist zugleich der am wenigsten offensichtliche. Laut Mozilla entscheidet nicht mehr allein das Modell über die Fähigkeiten eines KI-Systems. Ausschlaggebend ist die Software drum herum. Diese legt fest, auf welche Daten ein KI-Agent zugreifen kann, was er dauerhaft speichert und welche Aufgaben der Agent selbstständig ausführt. Wer diese Ebene kontrolliert, bestimmt damit auch das Verhalten der KI. Genau diese Schicht entsteht laut Report mit sehr wenigen Leitplanken. Nutzer winken Anfragen ihrer Agenten in bis zu 93 % der Fälle einfach durch. Mozilla nennt das Einwilligungsmüdigkeit. Wie riskant das bei einem KI-Agenten mit Vollzugriff wird, haben wir mehrfach eingeordnet.
Mozilla fordert deshalb mehr Investitionen in Infrastruktur, Werkzeuge und Governance für offene KI. Zu den Empfehlungen zählen eine offene Steuerungsschicht und portable Berechtigungsstandards für Agenten. Wie stark die Steuerung das Verhalten prägt, zeigt schon der Umgang mit der SOUL.md. Diese zentrale Steuerdatei legt Persönlichkeit und Regeln eines OpenClaw-Agenten fest.
Server, KI-Modelle und Recherche kosten Geld. ClawNews ist unabhängig — hilf mit, dass das so bleibt.





