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MiniMax M2.7: Agent-Modell unter MIT-Lizenz veröffentlicht und dann auf Modified umgestellt

Stephan Skrobisch 22. April 2026 3 Min.

Das chinesische KI-Labor MiniMax hat am 12. April 2026 sein neues Agenten-Modell M2.7 auf Hugging Face veröffentlicht und kurz darauf die Lizenz stillschweigend geändert. Aus der MIT-Lizenz wurde eine sogenannte Modified-MIT, die kommerzielle Nutzung nur noch mit schriftlicher Genehmigung erlaubt. Entwickler werfen dem Unternehmen vor, den Begriff Open Source zu verwässern.

Vom Benchmark-Hit zur Lizenz-Kontroverse

M2.7 ist ein Mixture-of-Experts-Modell mit 229 Milliarden Parametern. Bei jeder Anfrage sind davon nur zehn Milliarden aktiv. In Benchmarks bewegt sich das Modell auf Augenhöhe mit Claude Opus 4.6. M2.7 erreicht 56,22 % bei SWE-Pro und 57,0 % bei Terminal Bench 2. Auf GDPval-AA kommt das Modell auf einen ELO-Wert von 1495. Ein MoE-Modell ist vereinfacht gesagt ein Netzwerk aus vielen spezialisierten Teilmodellen. Pro Anfrage rechnet davon nur ein kleiner Teil, das senkt die Kosten deutlich.

Der Streit dreht sich nicht um die Technik, sondern um die Geschäftsbedingungen. MiniMax hatte das Vorgängermodell M2 im Oktober 2025 unter MIT-Lizenz freigegeben. Die M2.5-Serie vom Februar 2026 trug laut Hugging-Face-Modellkarte bereits das Label Modified-MIT. Die dort hinterlegte Lizenzdatei enthielt eine Kennzeichnungspflicht, aber noch keine Genehmigungspflicht für kommerzielle Nutzung. M2.7 geht darüber hinaus und macht kommerzielle Nutzung zustimmungspflichtig.

Auf Hugging Face ist die Lizenz jetzt als modified-mit eingetragen. Der Commit-Verlauf zeigt, dass die Änderung erst nach dem Release vorgenommen wurde. Für die kommerzielle Nutzung wird jetzt eine schriftliche Freigabe von MiniMax benötigt. Bei kommerzieller Nutzung gilt zusätzlich eine Kennzeichnungspflicht „Built with MiniMax M2.7“ auf Website, Produkt-UI sowie der Dokumentation.

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Community spricht von „Faux Open-Source“

Auf Hacker News und im LocalLLaMA-Subreddit sammelten sich binnen Stunden kritische Stimmen. Der Hauptvorwurf lautet, dass eine Lizenz, die kommerzielle Nutzung verbietet, keine MIT-Lizenz mehr ist, auch nicht „Modified-MIT“. Beobachter bezeichnen den Vorgang als „Faux Open-Source“ und sehen zentrale Freiheiten des Open-Source-Gedankens verletzt.

Ryan Lee, Head of Developer Relations bei MiniMax, begründete den Schritt öffentlich. Drittanbieter hätten, so Lee, frühere MiniMax-Modelle in geringer Qualität gehostet, teils mit zu aggressiver Quantisierung sowie mit ausgetauschten Modellen. Private Nutzung, Forschung und Fine-Tuning für den Eigengebrauch bleiben kostenfrei.

Der Vorgang fällt in eine Phase, in der chinesische Anbieter ihre Open-Source-Strategie überdenken. MiniMax ging im Januar 2026 in Hongkong an die Börse. Bei dem Börsengang sammelte das Unternehmen rund 620 Millionen US-Dollar ein. Zu den Investoren gehören Alibaba und ein Staatsfonds aus Abu Dhabi.

Für Entwickler bedeutet der Fall vor allem eines: Ein Blick in die Lizenzdatei lohnt sich auch Wochen nach dem Release. Wer auf wirklich offene Modelle setzt, findet Alternativen. Dazu zählen Google Gemma 4 unter Apache 2.0 und OpenClaw selbst, das unter der MIT-Lizenz steht. Im OpenClaw-Ökosystem spielen chinesische Modelle bereits eine zentrale Rolle, was die Lizenz-Frage für deutsche Nutzer besonders relevant macht.

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