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Microsoft Copilot: 365-Agent nach OpenClaw-Vorbild

Stephan Skrobisch 22. April 2026 5 Min.

Microsoft arbeitet an einer autonomen Version des Microsoft 365 Copiloten. Besagter Agent soll an OpenClaw angelehnt sein. Das berichtet The Information und wird von The Verge, TechCrunch und deutschen Fachmedien aufgegriffen. Der Corporate Vice President von Microsoft, Omar Shahine, hat die Pläne bestätigt. Erste Einblicke werden auf der Entwicklerkonferenz Build Anfang Juni erwartet.

Was Microsoft für Copilot plant

Laut The Information testet Microsoft intern einen Agenten, der dauerhaft im Hintergrund läuft und selbstständig Aufgaben erledigt. Geschäftskunden sollen damit einen Assistenten bekommen, der nicht auf Befehle wartet, sondern proaktiv handelt. Der Konzern bestätigt die Entwicklung offiziell.

Shahine sagte gegenüber The Information, das Team erprobe das Potenzial von Technologien wie OpenClaw in einem Unternehmenskontext. Der Vizepräsident leitete zuvor das Produktteam hinter Microsoft Word. Die erste öffentliche Vorstellung der Funktionen wird zur Build-Konferenz am 2. und 3. Juni in San Francisco erwartet. Ein autonomer Agent soll das Abonnement attraktiver machen. Parallel hat Anthropic sein Sprachmodell Claude direkt in Word, Excel und PowerPoint integriert. Das setzt Copilot im Office-Umfeld zusätzlich unter Druck.

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Outlook, Kalender, maßgeschneiderte Agenten

Der Agent soll eingehende Nachrichten in Outlook priorisieren, den Kalender auf Überschneidungen prüfen und jeden Morgen eine strukturierte Aufgabenliste erstellen. Darüber hinaus testet Microsoft spezialisierte Varianten für einzelne Abteilungen. Denkbar sind Agenten für Marketing, Vertrieb oder Buchhaltung mit jeweils eingeschränkten Zugriffsrechten. Je enger die Berechtigungen, desto kleiner die potenzielle Angriffsfläche. Ob der Agent lokal auf dem Endgerät oder in der Cloud läuft, ist unklar. Eine hybride Lösung gilt in den deutschen Fachmedien als wahrscheinlich, bestätigt ist sie nicht.

Warum ausgerechnet OpenClaw als Vorbild

Der vom österreichischen Entwickler Peter Steinberger gestartete KI-Agent OpenClaw hat sich seit Ende 2025 zum Referenzpunkt für autonome Agenten entwickelt. Wie sich das Projekt vom Hobbyprojekt zum Hype wandelte, haben wir ausführlich beschrieben. Der Agent läuft quelloffen auf dem Rechner, erledigt mehrstufige Aufgaben und steuert den Computer eigenständig.

Microsoft hat sich bereits vorher am OpenClaw-Playbook orientiert. Im März stellte der Konzern Copilot Cowork vor, das Aktionen direkt in Microsoft-365-Apps ausführen kann. Cowork nutzt laut TechCrunch unter anderem Claude von Anthropic als Modelloption und läuft in der Cloud. Schon im Februar folgte Copilot Tasks als Preview. Die OpenClaw-inspirierte Initiative ergänzt diese Bausteine um einen dauerhaft aktiven Assistenten mit deutlich tieferer Integration in den Microsoft-365-Stack.

Unklar ist nicht, ob Microsoft OpenClaw ernst nimmt. Die eigentliche Frage lautet, wie weit der Konzern das Modell in sein eigenes Ökosystem übersetzen will. Drei parallele Agentenprodukte in drei Monaten zeigen, wie hoch das Tempo im Hause Microsoft inzwischen ist.

Kein technischer Klon, sondern Inspiration

Der geplante Copilot-Agent ist keine Kopie von OpenClaw im technischen Sinne. Microsoft übernimmt das Konzept eines dauerhaft laufenden, proaktiven Assistenten. Mehrere Quellen formulieren das deutlich. Computerworld schreibt von Copilot-Funktionen „inspired by Openclaw“. TechCrunch spricht von einem weiteren OpenClaw-ähnlichen Agenten. WinFuture benutzt die Formulierung „nach OpenClaw-Vorbild“. Die Sprachregelung ist konsistent: Vorbild, nicht Nachbau.

Das ist ein Unterschied mit Folgen. Ein OpenClaw-Nutzer installiert einen offenen Agenten mit lokalem Zugriff und eigener Skill-Mechanik. Ein Copilot-Nutzer bekommt einen Dienst im Microsoft-365-Abonnement mit Identitätsmanagement, Compliance-Funktionen und zentraler Verwaltung. Zwei Philosophien, die dasselbe Grundprinzip aufgreifen, aber unterschiedliche Zielgruppen adressieren.

Die Sicherheitsfrage bleibt

OpenClaw gilt als mächtig, aber riskant. Warum sich der Agent nicht wie klassische Software absichern lässt, zeigt unsere Analyse zum Lethal Trifecta. Die Kombination aus Vollzugriff, Internet-Anbindung und Sprachmodell erzeugt Angriffsflächen, die klassische Schutzmechanismen überfordern. Das ist der Kontext, in dem Microsoft versucht, die eigene Variante als sicherere Alternative zu positionieren.

Ob das gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Strenge Zugriffskontrollen, rollenbasierte Agentenprofile und die Identitätsplattform von Microsoft können das Risiko deutlich reduzieren. Absolute Sicherheit verspricht Microsoft selbst nicht. Konzerne wie Meta haben OpenClaw auf Firmengeräten verboten, weil das Risiko als zu hoch bewertet wurde. Der Schritt zeigt, wie ernst das Sicherheitsthema im Enterprise-Umfeld in der Praxis genommen wird. Ein Copilot-Agent mit Vollzugriff auf Outlook, Kalender und Microsoft-365-Daten bewegt sich in einem ähnlichen Risikoraum.

Was die Build im Juni zeigen muss

Drei Fragen sind offen. Läuft der Agent lokal, in der Cloud oder hybrid? Die Wahl hat Konsequenzen für Datenschutz, Latenz und Rechenleistung. Welche Varianten kommen zuerst und wird der Agent Teil bestehender Copilot-Lizenzen oder gibt es eine zusätzliche?

Die Antworten fallen auf der Build am 2. und 3. Juni. Bis dahin bleibt ein strategischer Befund. Ein Open-Source-Projekt aus einer Wiener Wohnung hat einen der größten Softwarekonzerne der Welt erreicht. Microsoft denkt sein Copilot-Konzept neu. Die Frage, ob OpenClaw das Linux der KI-Agenten ist, bekommt damit eine neue Facette.

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