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Lovable-Datenleck: Code, Chats und Zugänge im Netz

Stephan Skrobisch 5. Mai 2026 8 Min.

Bei der Vibe-Coding-Plattform Lovable konnten 76 Tage lang Chat-Verläufe sowie Quellcode öffentlicher Projekte ausgelesen werden. Ein kostenloser Account reichte aus. Betroffen waren hinterlegte API-Schlüssel, Datenbank-Zugangsdaten und vollständige KI-Konversationen. Lovable hat den Fehler am 20. April 2026 binnen zwei Stunden geschlossen. Am 22. April 2026 folgte ein formaler Incident Report. Alle bisher öffentlichen Projekte werden auf privat umgestellt.

Vorausgegangen war eine Eskalation, die in der Tech-Branche scharf kritisiert wurde. Erst leugnete Lovable den Vorfall. Dann verlagerte das Unternehmen die Schuld auf die eigene Dokumentation, dann auf den Bug-Bounty-Partner HackerOne. Eine Entschuldigung folgte erst danach.

Was @weezerOSINT öffentlich gemacht hat

Der Stein kam am 20. April 2026 ins Rollen. Ein Sicherheitsforscher, der unter dem Handle @weezerOSINT auf X aktiv ist, legte einen frischen Gratis-Account auf der Plattform an. Den Vorgang dokumentiert The Register. Mit diesem Account sendete er API-Anfragen an das Lovable-Backend. Die Antworten enthielten Projektdaten fremder Nutzer: Quellcode, hinterlegte Datenbank-Zugangsdaten, vollständige KI-Chatverläufe und die internen Denkprozesse des Lovable-Agenten.

Die Sicherheitslücke wurde wenige Stunden später von Morgan Linton, Mitgründer und CTO von Bold Metrics bestätigt. Der Entwickler rief über seinen X-Account ausdrücklich alle Lovable-Nutzer zur Vorsicht auf.

Technisch handelt es sich um eine BOLA-Schwachstelle. Die Abkürzung steht für Broken Object Level Authorization. Die betroffene Lovable-API prüfte nicht, ob ein angemeldeter Nutzer auf ein bestimmtes Projekt zugreifen darf. Wer den Projekt-Link kannte, bekam die Daten einfach ausgeliefert. Der API-Pfad lieferte vollständige Nachrichtenverläufe ohne Eigentümer-Prüfung zurück.

BOLA steht auf Platz 1 der OWASP API Security Top 10. OWASP ist die international führende gemeinnützige Organisation für Anwendungssicherheit. Der Forscher demonstrierte den Schaden am Beispiel eines aktiven Admin-Panels der dänischen Initiative Connected Women in AI. Aus dem Quellcode zog er hartcodierte Supabase-Zugangsdaten. Damit konnte er Klarnamen, Berufsbezeichnungen, LinkedIn-Profile und Stripe-Kunden-IDs auslesen. Die Daten gehörten Beschäftigten bei Accenture Denmark und der Copenhagen Business School.

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Backend-Regression öffnet 76 Tage lang alle Türen

Lovable hat in einem formalen Incident Report vom 22. April 2026 die genaue Zeitachse bekanntgegeben. Zwischen dem 3. Februar und dem 20. April 2026 waren Chat-Verläufe sowie der Quellcode öffentlicher Projekte für jeden authentifizierten Nutzer mit Projekt-Link erreichbar. Private Projekte und das Produkt Lovable Cloud waren nach Angaben des Unternehmens nicht betroffen.

Bemerkenswert ist das Wie. Lovable hatte den Schutz für öffentliche Projekte über 2025 schrittweise ausgebaut. Im März 2025 sperrte das Unternehmen den API-Zugriff auf Chat-Verläufe öffentlicher Projekte. Im November 2025 wurden alle neuen Projekte standardmäßig auf privat umgestellt. Im Februar 2026 folgte die Kehrtwende. Bei einer Vereinheitlichung der Berechtigungslogik im Backend wurde der Zugriff nach eigener Darstellung von Lovable versehentlich wieder freigeschaltet. Lovable bezeichnet das im Incident Report als Regression.

Den Erstbericht zur Schwachstelle reichte ein Forscher bereits am 22. Februar 2026 über HackerOne ein. Mehrere weitere Reports folgten. Alle wurden geschlossen. Eine Eskalation an das interne Sicherheitsteam von Lovable fand nicht statt. Die Triage-Partner bei HackerOne hielten die Sichtbarkeit für beabsichtigtes Verhalten. Die internen Vorgaben von Lovable beschrieben es noch genau so.

Damit lag der Bericht 57 Tage im Backlog, ehe @weezerOSINT am 20. April 2026 einen weiteren Report einreichte und parallel die Schwachstelle auf X veröffentlichte. Erst der öffentliche Druck führte zur Eskalation.

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