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LinkedIn soll die größte KI-Slop-Plattform im Netz sein

Stephan Skrobisch 16. Juli 2026 8 Min.

Mehr als 40 % der ausführlichen Beiträge auf LinkedIn stammen vollständig von einer KI. Das meldet die KI-Detektionsfirma Pangram Labs in einem Bericht vom 9. Juli 2026. Die Zahl basiert auf mehr als einer Million untersuchten Beiträge. Allerdings sind die Angaben mit Vorsicht zu genießen, da sie von einem Unternehmen stammen, das die zugrunde liegende Erkennung selbst als Produkt verkauft.

TL;DR

LinkedIn weist laut Pangram Labs unter den großen Plattformen den höchsten Anteil vollständig KI-generierter Beiträge auf. Die Daten stammen von einem Anbieter, der KI-Detektion verkauft sowie aus einer selbstgewählten Nutzergruppe. Der aufschlussreichste Befund steckt nicht in den 40 %, sondern darin, wo LinkedIn seinen Schreibassistenten inzwischen entfernt hat.

Was die Zahlen von Pangram wirklich zeigen

Pangram hat seit dem Start einer Chrome-Erweiterung am 24. April 2026 genau 1.002.627 Beiträge ausgewertet. Erfasst wurden LinkedIn, Medium, Substack, X sowie Reddit. Gescannt wurde nur, was die Nutzer der Erweiterung beim Scrollen ohnehin vor Augen hatten.

Über alle Plattformen hinweg stufte das Erkennungsmodell 13,8 % der Beiträge als vollständig KI-generiert ein. Bei ausführlichen Texten steigt der Wert deutlich. Von Beiträgen mit über 250 Wörtern waren 25,72 % komplett maschinell verfasst. Auf vier der fünf untersuchten Plattformen steigt mit der Textlänge die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beitrag vollständig von einer KI stammt.

LinkedIn führt besagte Rangliste an. Dort schlugen über 40 % der langen Beiträge als vollständig KI-generiert an. Noch aussagekräftiger ist das Verhältnis zur Gesamtmenge. Ein Drittel der untersuchten Beiträge stammte von LinkedIn. Unter den als KI-generiert eingestuften Texten lag der Anteil der Plattform jedoch bei 62 %.

Bei X sieht die Lage anders aus, sobald Mischformen mitgezählt werden. Dort waren 23,9 % der ausführlichen Artikel vollständig KI-generiert. Bei weiteren 22,9 % kam KI unterstützend zum Einsatz. Nur 53,2 % der X-Artikel stuften die Prüfer als rein menschlich verfasst ein.

Reddit stellte mit 36,7 % den größten Anteil des Datensatzes, lag mit einer KI-Quote von 4,4 % aber dennoch im unteren Bereich. Das hängt vor allem mit der Art der erfassten Beiträge zusammen. 72 % waren Antworten innerhalb bestehender Diskussionen, von denen 98,1 % als menschlich verfasst eingestuft wurden. Bei Beiträgen, mit denen Nutzer einen neuen Thread eröffneten, lag der KI-Anteil dagegen bei 11,6 %.

Was Slop im Netz mit Lesern anrichtet, haben wir bereits ausführlich analysiert.

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Warum ausgerechnet dort, wo alle ihren Klarnamen tragen?

Der interessanteste Befund des Berichts widerspricht der Intuition. Ausgerechnet auf Plattformen, auf denen Nutzer mit ihrem echten Namen auftreten, lassen sie besonders häufig eine KI für sich schreiben. Auf anonymen oder weniger formellen Plattformen geschieht das deutlich seltener.

Pangram nennt dafür einen naheliegenden Grund. LinkedIn hat die KI-Texthilfe direkt in den eigenen Beitragseditor eingebaut. Die Schaltfläche hieß ursprünglich „Write with AI” und trägt inzwischen den Namen „Enhance post”, im deutschen Interface „Beitrag optimieren”.

Eine Prüfung durch ClawNews am 14. Juli 2026 zeigt allerdings ein differenzierteres Bild. Im Editor eines persönlichen Profils sitzt die Schaltfläche „Beitrag optimieren” weiterhin an prominenter Stelle, direkt neben Emoji- und Bildfunktion. Im Editor einer Unternehmensseite fehlt sie dagegen vollständig. Dort stehen nur Bild, Termin, Dokument, Stellenanzeige, Umfrage und Notiz zur Auswahl.

LinkedIn hat den Rückbau offenbar nach Kontotyp gestaffelt. Ausgerechnet für persönliche Profile, bei denen Klarnamen und beruflicher Ruf auf dem Spiel stehen, bleibt die Funktion verfügbar. Unternehmensseiten, deren Beiträge oft ohnehin von Marketingabteilungen erstellt werden, suchen den Button derzeit dagegen vergeblich.

Dass KI-Systeme inzwischen einen erheblichen Teil des Netzverkehrs erzeugen, zeigt auch ein Bericht von Cloudflare.

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