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Kriminalanalyst Dr. Hofmann über KI-Agenten: Wir sind im wilden Westen

Stephan Skrobisch 1. Juli 2026 14 Min.

Wer einem KI-Agenten Vollzugriff auf seinen Rechner gibt, erzeugt damit ein besonders attraktives Ziel für Angreifer. Das sagt Dr. Mark T. Hofmann, Kriminal- und Kriminalanalyst mit Spezialgebiet Hacker-Profiling. Er forscht im Darknet und spricht direkt mit Tätern. Im Interview mit claw://News ordnet er ein, warum die größte Schwachstelle bei KI-Agenten kein Codefehler ist. Sie ist der Mensch, der die Berechtigungen vergibt.

Hofmann promovierte über die Profile und Motive von Hackern und gehört zu den bekanntesten Profiling-Experten im deutschsprachigen Raum. Als Keynote Speaker erklärt er, wie Angreifer Psychologie, KI und Deepfakes einsetzen. Wir haben ihm diverse Fragen zum Thema KI-Agenten gestellt. Der Bogen reicht vom Faktor Mensch über Prompt Injection bis zur Frage, ob er selbst einem Agenten Vollzugriff geben würde. Seine Antworten verbinden die Erfahrung aus echten Tätergesprächen mit einem nüchternen Blick auf die Sicherheitslage im Jahr 2026.

Wie findet man Hacker und warum reden sie?

Hofmanns Arbeit beginnt dort, wo die meisten nie hinschauen. Das Darknet ist der Teil des Internets, der nur über spezielle Software erreichbar ist. Selbst große Ransomware-Gruppen leisten dort inzwischen eine Art Öffentlichkeitsarbeit. Sie betreiben Leak-Sites, veröffentlichen dort gestohlene Daten und inszenieren sich mit Selbstbeschreibung und anonymer Kontaktadresse als professionelle Organisation. Wer mit Tätern sprechen will, muss diese Strukturen kennen. Doch warum antwortet jemand, der viel zu verlieren hat?

Der Zugang ist für ihn weniger das Problem als die Frage nach der Motivation. „Hacker zu finden ist machbar, wenn man sich in der Dark Economy auskennt. Man weiß zwar nicht, wer sie sind, aber es gibt im Clear- und Darknet einschlägige Hackerforen, in denen Täter recht offen kommunizieren, Tools austauschen, Dienstleistungen anbieten und Datensätze leaken. Natürlich agieren sie hier nicht unter ihrem Klarnamen, sondern pseudonym, aber manche haben regelrecht Influencer-Status in der Unterwelt.“ Den eigentlichen Grund für ihre Gesprächsbereitschaft sieht er in der Psyche der Täter. „Ich denke, in vielen Fällen ist da ein gewisser Stolz auf die eigenen Handlungen, manchmal ein Grad an Narzissmus und Mitteilungsbedürfnis, gerade bei jüngeren Akteuren. Es ist nun mal nicht möglich, im realen Leben oder beim Tinder-Date damit zu prahlen, die CIA gehackt zu haben.

Schon hier zeigt sich das Muster, das sich durch das ganze Gespräch zieht. Cybercrime ist für Hofmann zuerst ein menschliches Phänomen, kein technisches. Die Reputation in der Szene zählt, ebenso der Stolz auf die eigene Tat. Dazu kommt das Bedürfnis, gesehen zu werden, ohne die echte Identität preiszugeben. Wer Täter verstehen will, muss ihre Motive verstehen.

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