IT-Sicherheitsrechtler Dennis-Kenji Kipker: Europa braucht eine Antwort auf OpenClaw
KI-generiert mit ChatGPT
Drei US-Konzerne und eine neue Stiftung entscheiden faktisch, wohin sich ein KI-Agent entwickelt, der auf Millionen Rechnern läuft. Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Experte für IT-Sicherheitsrecht und digitale Regulierung, sieht darin ein Systemrisiko, dem Europa bisher wenig entgegensetzt. Im Interview mit claw://News fordert er eigene offene Standards und Interoperabilitätspflichten für dominante KI-Agenten-Plattformen, ähnlich wie beim Digital Markets Act.
- Wer steuert OpenClaw, wenn drei Konzerne und eine Foundation die Richtung vorgeben?
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- Häufige Fragen
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Kipker ist Research Director und Gründer des cyberintelligence.institute in Frankfurt am Main und Professor für IT-Sicherheitsrecht. Er berät die Bundesregierung sowie die Europäische Kommission und gehört zu den meistgefragten juristischen Stimmen, wenn es um Cybersicherheit, digitale Resilienz und die rechtliche Einordnung neuer Technologien geht. Wir haben ihm sechs Fragen zu OpenClaw gestellt, dem quelloffenen KI-Agenten, der seit Jahresbeginn vom Hobbyprojekt zur Infrastruktur gereift ist. Seine Antworten ordnen ein, wo das Recht der Technologie hinterherläuft. Der Bogen reicht von der Haftungsfrage bis zur Sicherheit digitaler Identitäten, die Kipker als kommendes Schlüsselproblem benennt.
Wer steuert OpenClaw, wenn drei Konzerne und eine Foundation die Richtung vorgeben?
Der KI-Agent OpenClaw hat sich innerhalb weniger Wochen vom Open-Source-Projekt des österreichischen Entwicklers Peter Steinberger zur Infrastruktur gewandelt. NVIDIA-Chef Jensen Huang nannte den Agenten auf der GTC 2026 im März das populärste Open-Source-Projekt der Geschichte. Wenig später erklärten die NVIDIA Nemotron Labs OpenClaw zur Standardplattform für Always-On-KI-Agenten. Microsoft baut sein Produkt Scout auf Basis von OpenClaw. OpenAI öffnete seine ChatGPT-Abonnements für den Login im Agenten. Und nach Steinbergers Wechsel zu OpenAI übernahm die neu gegründete OpenClaw Foundation die Steuerung des Projekts.
Damit liegt die Kontrolle über eine Software, die auf Millionen Geräten auf Dateien zugreift, E-Mails verschickt und Programme ausführt, bei wenigen Akteuren. Ist das aus regulatorischer Sicht noch tragbar, und muss Europa eine eigene Antwort finden? Für Kipker ist die Antwort eindeutig. „Die beschriebene Konzentration – drei US-Konzerne plus eine neue Foundation steuern faktisch eine KI-Infrastruktur, die auf Millionen Geräten läuft – ist aus regulatorischer Sicht ein erhebliches Systemrisiko, weil technologisch kritische Infrastruktur ohne demokratische Kontrolle gestaltet wird.“ Das Muster kennt er aus der Vergangenheit. „Das Modell ähnelt früheren Plattform-Monopolen im Cloud- und Mobilbereich, diesmal jedoch mit unmittelbarem Einfluss auf autonome KI-Agenten.“ Beim geltenden EU-Recht sieht er eine Lücke. „Der EU AI Act adressiert Anbieter und Betreiber, erfasst aber Foundation-getriebene Governance-Strukturen dieser Art nur unzureichend.“ Seine Konsequenz ist eine klare Forderung. „Europa sollte deshalb eigene offene Standards fordern und – analog zum Digital Markets Act – Interoperabilitätspflichten für dominante KI-Agenten-Plattformen einführen.“
Der Vergleich mit dem Digital Markets Act ist der entscheidende Punkt. Das EU-Gesetz zwingt marktbeherrschende Plattformen zu Offenheit und Interoperabilität, damit kein einzelner Konzern ein ganzes Ökosystem kontrolliert. Kipker überträgt diese Logik auf KI-Agenten. Die öffentliche Debatte um OpenClaw dreht sich bisher fast ausschließlich um Sicherheitslücken. Seine Forderung verschiebt den Blick auf eine zweite Ebene: die Frage, wer die Macht über die Agenten-Infrastruktur hält.
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