Google feuert den Mann hinter der Workspace-CLI und kündigt sie zwei Tage später selbst an
KI-generiert mit ChatGPT
„Google fired the guy that made the google workspace cli, because he made the google workspace cli.” Mit diesem Satz fasste Peter Steinberger eine Geschichte zusammen, über die seit dem Ende Juni 2026 in der Tech-Community gesprochen wird. Justin Poehnelt baute die Google Workspace CLI und verlor dafür nach fast sieben Jahren seinen Job bei Google.
- Was ist passiert?
- Was hinter dem Erfolg der CLI steckt
- Poehnelts eigene Erklärung: Angst vor Disruption
- Welche Rolle spielte der Freigabeprozess?
- Nicht der Einzige: Eine Abwanderung zeichnet sich ab
- Was bleibt
- Häufige Fragen
- Was ist eine CLI und warum ist sie für KI-Agenten relevant?
- Was bedeutet „agents-first” beim Software-Design?
- Ist die Google Workspace CLI noch nutzbar?
Was ist passiert?
Poehnelt machte seine Entlassung am 23. Juni 2026 in einem Beitrag auf X öffentlich. „Two months ago I was fired by Google for creating the Google Workspace CLI”, schreibt er dort. Zwei Tage vor der Kündigung hatte Google auf seiner Hausmesse Cloud Next eine eigene offizielle Workspace-CLI angekündigt.
Die inoffizielle CLI hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits rasant verbreitet. Das Projekt erreichte Platz eins auf Hacker News und sammelte tausende Sterne auf der Entwicklerplattform GitHub. Laut Poehnelt gewann die inoffizielle CLI innerhalb weniger Tage tausende Nutzer. Sterne funktionieren auf GitHub ähnlich wie Likes auf Instagram und zeigen, wie groß das öffentliche Interesse an einem Projekt ist.
Der Beitrag selbst erreichte binnen eines Tages über eine Million Aufrufe. Poehnelt beschreibt darin einen widersprüchlichen Verlauf. Auf der einen Seite fragten Direktoren und Führungskräfte nach seiner Darstellung, was sie von dem Werkzeug lernen können. Auf der anderen Seite befragte ihn die Rechtsabteilung. Diese wollte wissen, warum in den GitHub-Repositories von Google Workspace das Google-Logo und die Markenfarben verwendet wurden.
Steinberger, Gründer des quelloffenen KI-Agenten OpenClaw, griff die Geschichte mit einem eigenen Seitenhieb auf. Das Werkzeug betreibt er unabhängig von einem Konzern. OpenClaw entwickelte sich dabei vom Hobbyprojekt zu einem der populärsten KI-Agenten. Diese Entstehungsgeschichte haben wir an anderer Stelle ausführlich nachgezeichnet.
Was hinter dem Erfolg der CLI steckt
Die Antwort liegt in einer Designentscheidung, die Poehnelt in einem ausführlichen Blogbeitrag beschreibt. Eine CLI (Command-Line Interface) ist ein Werkzeug, das über Texteingaben im Terminal gesteuert wird, ohne grafische Oberfläche. Die meisten dieser Werkzeuge sind für Menschen gebaut. Poehnelts CLI war von Beginn an für KI-Agenten konzipiert, also für autonome Programme, die Aufgaben selbstständig abarbeiten.
Dieser Unterschied hat handfeste Folgen. Menschen mögen kurze Befehle mit vielen einzelnen Optionen. Agenten arbeiten lieber mit kompletten Datenpaketen im JSON-Format, einem strukturierten Textformat für den Datenaustausch zwischen Programmen. Poehnelts Werkzeug nimmt solche Pakete direkt entgegen. „The JSON version maps directly to the API schema and is trivially generated by an LLM”, schreibt er. Übersetzt heißt das: Ein Sprachmodell kann diese Eingaben ohne Übersetzungsverlust erzeugen.
Hinzu kommt die Selbstbeschreibung zur Laufzeit. Ein Agent kann das Werkzeug selbst nach den passenden Befehlen fragen, statt eine feste Dokumentation in seiner Systemanweisung mitzuführen. Die Systemanweisung ist der Grundtext, der einem KI-Modell sein Verhalten vorgibt. Eine fest verdrahtete Dokumentation veraltet, sobald sich eine Programmierschnittstelle ändert. Die abfragbare Variante bleibt aktuell.
Den sicherheitsrelevanten Teil hebt Poehnelt besonders hervor. Menschen vertippen sich, Agenten halluzinieren. „Agents hallucinate. Build like it”, formuliert er als Leitsatz. Sein Werkzeug prüft deshalb Eingaben streng und wehrt erfundene Dateipfade oder manipulierte Bezeichner ab.
Das Flag --sanitize leitet zudem die Antworten der Schnittstelle durch einen Filter, bevor der Agent diese verarbeitet. Damit wehrt das Werkzeug Prompt Injection ab. Gemeint sind versteckte Anweisungen, die ein Angreifer etwa in den Text einer E-Mail einbettet, um den Agenten zu kapern. Wie kritisch dieser Faktor ist, zeigte zuletzt eine CVSS-10-Lücke in der Gemini CLI von Google. Dort genügte ein einzelner manipulierter Eintrag zur vollständigen Codeausführung. CVSS ist ein Industriestandard, der die Schwere von Sicherheitslücken auf einer Skala bis zehn bewertet.
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