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Gemini 3.5 Flash Cyber: Sicherheitsmodell soll selbst patchen

Stephan Skrobisch 28. Juli 2026 4 Min.

Google hat am 21. Juli 2026 drei neue Gemini-Modelle vorgestellt. Neben 3.6 Flash und 3.5 Flash-Lite ist 3.5 Flash Cyber dabei, ein Sicherheitsmodell zum Auffinden und Patchen von Schwachstellen. Besagtes Modell soll zunächst nur über den Agenten CodeMender in einem Pilotprogramm mit beschränktem Zugang laufen.

Wer Zugang zu Gemini 3.5 Flash Cyber bekommt

CodeMender ist der KI-Agent von Google für die Behebung von Software-Schwachstellen. Flash Cyber basiert auf Gemini 3.5 Flash und wurde gezielt für Sicherheitsaufgaben feinjustiert. Der Agent soll Schwachstellen erkennen, verifizieren und beheben. In CodeMender arbeiten laut DeepMind mehrere Sub-Agenten parallel und führen ihre Ergebnisse anschließend in einem gemeinsamen Bericht zusammen.

Der Zugang ist auf einen kleinen Nutzerkreis beschränkt. Wegen des Dual-Use-Charakters geht die Google-Tochter DeepMind bei der Bereitstellung gezielt zurückhaltend vor. So schreiben es Raluca Ada Popa und Four Flynn im Ankündigungsbeitrag. Popa ist bei DeepMind für die Sicherheit von Gemini zuständig, Flynn ist Vice President für Sicherheit und Datenschutz. Dual Use bezeichnet Technologien, die sich sowohl zur Verteidigung als auch zum Angriff eignen.

Warum DeepMind den Zugang begrenzt, zeigt ein interner Test. Googles Cloud Vulnerability Research Team fand mit Flash Cyber innerhalb von zwei Stunden mehrere Wege, über öffentliche Schnittstellen Code auszuführen. Dazu kam ein Speicherfehler in einem sensiblen Produktionsdienst. Das Modell erzeugte anschließend einen zuverlässig funktionierenden Exploit, der gängige Schutzmechanismen des Betriebssystems umging.

Flash Cyber soll Regierungen und vertrauenswürdigen Partnern in Kürze über CodeMender zur Verfügung stehen. DeepMind will den Zugang schrittweise für weitere Nutzer öffnen. Der Ankündigungsbeitrag nennt dazu weder einen Termin noch Auswahlkriterien. Abgeschottet ist dabei das Modell, nicht die Fähigkeit. Parallel dazu integriert Google die Grundfunktionen von CodeMender über die Gemini Enterprise Agent Platform in allgemein verfügbare Gemini-Modelle.

Intern arbeitet Flash Cyber laut DeepMind bereits an den Codebasen von Chrome, Android, Google Cloud, Ads und YouTube. Damit reiht sich das Modell in eine Serie beschränkt zugänglicher Cyber-Modelle ein. Bei GPT-5.4-Cyber und GPT-5.5-Cyber hat OpenAI ein ähnliches Vorgehen gewählt. Der eigentliche Auslöser der Debatte war Claude Mythos von Anthropic.

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Google positioniert sich als günstige Alternative

Google stellt Flash Cyber als günstigere Alternative zu großen, kostenintensiven Sicherheitsmodellen dar. In dieser Kostenargumentation bleibt der Konzern unbestimmt und nennt kein konkurrierendes Sicherheitsmodell. In den Benchmarks tritt Claude Opus 4.6 dann als Vergleichsmodell auf.

Da Flash Cyber auf dem effizienteren Flash-Modell basiert, kann CodeMender den Agenten mehrfach einsetzen. Dadurch prüft das System mehr Codepfade bei geringeren Kosten. Im Benchmark CyberGym erlaubte Google bis zu fünf Durchläufe pro Bericht. CyberGym testet KI-Agenten anhand Hunderter realer Schwachstellen. Das Gesamtsystem erreichte dort eine konkurrenzfähige Leistung gegenüber deutlich größeren Modellen. Die Werte der Vergleichsmodelle stammen laut Fußnote aus Selbstauskünften der Anbieter, nicht aus einer eigenen Messung.

Alle weiteren Auswertungen liefen ohne die eingebauten Sicherheitsleitsgrenzen. Ein DeepMind-Sprecher erklärte The Hacker News die Konfiguration innerhalb von CodeMender. Dort sind die Leitplanken so gesetzt, dass nur die Verteidigungsfunktionen des Agenten freigeschaltet sind. Damit dürfte auch den Pilotteilnehmern lediglich eine Konfiguration mit Beschränkungen zur Verfügung stehen.

Im Test an der JavaScript-Engine V8 kam Flash Cyber auf 55 eindeutige bestätigte Funde. Gemini 3.5 Flash erreichte 47, Claude Opus 4.6 lag bei 36. Das Big-Sleep-Team von Google prüfte das Modell zusätzlich mit Chrome und Safari. Dort übertraf Flash Cyber die Mainline-Varianten 3.5 Flash und 3.6 Flash deutlich.

Eine dritte Auswertung lief an den Produktions-Commits von Chrome. Weil die Schwachstellen dort nicht öffentlich waren, gilt dieser Test laut Google als unkontaminiert. Neuere Konkurrenzmodelle nach Opus 4.6 verweigern die Aufgaben wegen eingebauter Schutzmechanismen und fehlen deshalb im Vergleich. Extern prüfen lässt sich keine dieser Herstellerangaben. Zur Einordnung von KI-Funden lohnt der Blick auf die 271 Firefox-Schwachstellen durch Claude Mythos.

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