Fable abgeschaltet, Mythos weggesperrt: Warum KI-Verbote ins Leere laufen
KI-generiert mit ChatGPT
Die US-Regierung hat den Zugang zu Claude Mythos und Fable 5 per Exportkontrolle gestoppt. Selbst günstige Open-Source-Modelle kommen bei der Suche nach Schwachstellen inzwischen gefährlich nah an dieses Niveau heran. Der eigentliche Engpass sind die wenigen Maintainer, die in der Flut an Schwachstellenmeldungen untergehen.
- Was bringt eine Modellsperre, wenn Open Source mithält?
- Wie weit kommen offene Modelle wirklich?
- Entscheidend ist das System, nicht das Modell
- Wie viel Mythos steckt schon in Open Source?
- Der eigentliche Engpass sitzt woanders
- Vom KI-Müll zur Flut automatisierter Reports
- Open Source schreibt die Regeln neu
- Zielt die Sperre am Problem vorbei?
- Häufige Fragen
- Was ist Claude Mythos?
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Was bringt eine Modellsperre, wenn Open Source mithält?
Am 12. Juni 2026 stoppte das US-Handelsministerium den Zugang zu Mythos und Fable 5. Anthropic musste beide Modelle weltweit abschalten, um der Anordnung Folge zu leisten. Auslöser war ein Jailbreak, also eine Methode, die Sicherheitsschranken eines Modells zu umgehen.
Die Anordnung reicht weit. Sie verbietet jedem Ausländer den Zugriff, auch den nicht-amerikanischen Beschäftigten von Anthropic. Deshalb blieb dem Unternehmen nur die globale Abschaltung. Auch AWS nahm die Modelle vom Netz. Den Anstoß gab nach Bericht des Wall Street Journal ein Sicherheitsforscher bei Amazon. Dessen Vorgesetzter Andy Jassy informierte daraufhin die Regierung über den Fund.
Anthropic hält die Sperre für überzogen. Dieselbe Methode greift nach Darstellung des Unternehmens auch bei anderen verfügbaren Modellen wie GPT-5.5. Eine Sperre für ein einzelnes Modell hindert laut dem KI-Lab niemanden daran, dieselben Fähigkeiten anderswo zu nutzen.
NVIDIA-Chef Jensen Huang argumentierte schon im April 2026 ähnlich. Die Rechenleistung, um ein Modell der Mythos-Klasse zu trainieren, ist laut Huang „abundantly available in China„.
Wie weit kommen offene Modelle wirklich?
Eine Antwort liefert das Sicherheitsunternehmen AISLE. Das Team legte kleinen, günstigen und teils quelloffenen Modellen dieselbe FreeBSD-Schwachstelle vor, mit der Anthropic die Fähigkeiten von Mythos demonstriert hatte. Acht von acht Modellen erkannten die Lücke. Eines davon hat nur 3,6 Milliarden aktive Parameter und kostet 0,11 Dollar je Million Token.
AISLE ist auf dem Feld kein Neuling. Das System fand seit Mitte 2025 mehr als 180 bestätigte Lücken in über 30 Projekten. Darunter waren 15 Schwachstellen in OpenSSL, zwölf davon in einem einzigen Sicherheitsupdate.
Auch das chinesische Forschungsteam DARKNAVY verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Mit einem eigenen System rund um Open-Source-Modelle fand das Team echte Schwachstellen. Eine davon erlaubt den Ausbruch aus einer virtuellen Maschine im Emulator QEMU und wurde von Red Hat bestätigt. Eine weitere Schwachstelle betrifft den Kern von iOS und macOS. Nach eigenen Angaben gelang dem Team auch der erste KI-gestützte Vollzugriff auf ein aktuelles Samsung-Flaggschiff. Die Token-Kosten sollen bei weniger als einem Hundertstel der Mythos-Kosten liegen.
Entscheidend ist das System, nicht das Modell
Die Ergebnisse folgen keinem einfachen Muster. AISLE beschreibt das Feld als unübersichtlich, weil größere Modelle nicht automatisch besser abschneiden. Wer zahlreiche günstige Modelle über den Code laufen lässt, findet oft mehr Schwachstellen als mit einem einzelnen kostenintensiven Modell. Entscheidend ist dann weniger das beste Modell als die Breite der Suche.
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