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EU öffnet WhatsApp Business API: Kostenloser Zugang für andere KI-Anbieter

Stephan Skrobisch 17. Juni 2026 4 Min.

Die EU-Kommission verpflichtet Meta, die WhatsApp Business API wieder kostenlos für konkurrierende KI-Dienste zu öffnen. Betroffen sind Anbieter wie ChatGPT, Perplexity oder Copilot. Die einstweilige Maßnahme wurde am 9. Juni 2026 beschlossen und gilt während des laufenden Kartellverfahrens. Es ist erst die zweite einstweilige Maßnahme der Kommission in einem Wettbewerbsverfahren seit dem Broadcom-Fall 2019.

Meta hat fünf Werktage Zeit, die Vorgaben umzusetzen. Bei einem Verstoß drohen Bußgelder von bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes sowie tägliche Zwangsgelder. Der Konzern kündigte bereits an, gegen die Entscheidung vorzugehen.

Worum geht es in dem Verfahren?

Die WhatsApp Business API ist die Programmierschnittstelle, über die Unternehmen und Dienste automatisiert mit WhatsApp-Nutzern kommunizieren. Über sie lassen sich etwa Support-Bots oder KI-Assistenten in den Messenger einbinden.

Im Oktober 2025 änderte Meta die Geschäftsbedingungen von WhatsApp. Drittanbieter von anderen KI-Assistenten wurden vom Zugriff auf die Schnittstelle ausgeschlossen. Später ließ Meta externe Anbieter zwar wieder zu, verlangte dafür aber Gebühren.

Nach vorläufiger Einschätzung der Kommission nutzte Meta damit seine starke Stellung bei Messenger-Diensten aus. Das Ziel war laut Kommission, den eigenen Assistenten Meta AI gegenüber Wettbewerbern zu bevorzugen. Die verlangten Gebühren haben aus Sicht der Kommission praktisch dieselbe abschottende Wirkung wie ein vollständiges Verbot.

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Ist das ein DMA-Fall?

Die Maßnahme stützt sich auf Artikel 102 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Dieser Artikel verbietet den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Der Fall wird getrennt von den Interoperabilitätspflichten des Digital Markets Act behandelt.

Diese Unterscheidung ist wichtig. WhatsApp hatte im November 2025 die Nachrichten-Interoperabilität mit Drittanbietern wie BirdyChat und Haiket eingeführt und damit eine DMA-Vorgabe erfüllt. Der KI-Streit ist davon unabhängig. Er betrifft das Verhalten innerhalb des verwalteten WhatsApp-Ökosystems, nicht die Messenger-übergreifende Kommunikation.

Die Kommission sieht WhatsApp als zentralen Weg, um Nutzer in Europa zu erreichen. Wäre dort nur Meta AI ohne vergleichbare Hürden verfügbar, hätten kleinere Anbieter und neue Wettbewerber das Nachsehen. Der Markt könnte sich verfestigen, bevor sie überhaupt Fuß fassen.

Was Meta jetzt unternehmen muss

Die Anordnung verlangt, dass Meta die Bedingungen wiederherstellt, die vor dem 15. Oktober 2025 galten. Drittanbieter von allgemeinen KI-Assistenten sollen also wieder zu den gleichen Bedingungen auf die WhatsApp Business API zugreifen können, einschließlich des kostenlosen Zugangs. Die Frist dafür beträgt fünf Werktage. Die einstweilige Maßnahme bleibt bestehen, bis das Kartellverfahren abgeschlossen ist. Dies kann sich jedoch noch über Jahre hinziehen.

Die Kommission begründet den schnellen Eingriff mit der Dynamik des KI-Marktes. Laut Kommission kann gerade in neuen Märkten Wettbewerb verloren gehen, bevor eine endgültige kartellrechtliche Entscheidung fällt. Die Maßnahme soll nach Darstellung der EU einen Schaden verhindern, der fast nicht wiedergutzumachen wäre.

Wie reagiert Meta?

Meta wehrt sich gegen die Anordnung. Gegenüber der BBC kündigte der Konzern an, rechtlich gegen die Entscheidung vorzugehen.

Ein Sprecher kritisierte die Entscheidung scharf. Aus Sicht des Konzerns erlaubt diese einigen der weltweit größten Unternehmen, das kostenpflichtige WhatsApp-Business-Produkt gratis zu nutzen. Vertreter von Meta bezeichnen die Anordnung als regulatorischen Übergriff und weisen den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung zurück.

Für andere KI-Anbieter ist die Entscheidung ein Vorteil. Sie gewinnen Zugang zu einem der wichtigsten Messaging-Ökosysteme, ohne dafür zahlen zu müssen. Wie wichtig die Einbettung von Agenten in Messenger ist, zeigt der QClaw-Agent von Tencent in WeChat. Hinter solchen Agenten steht oft der quelloffene KI-Agent OpenClaw, an dem sich auch die Spannungen mit Meta zeigen. So sorgte der Konzern für Aufsehen, als er OpenClaw auf Firmengeräten verbot.

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