EU-Kommission gehackt: ShinyHunters veröffentlichen über 90 GB gestohlene Daten
KI-generiert mit Sora
Die Erpressergruppe ShinyHunters hat die EU-Kommission über die AWS-Cloud-Infrastruktur angegriffen und nach eigenen Angaben über 350 GB an Daten gestohlen. Mehr als 90 GB davon sind bereits im Darknet veröffentlicht. Die EU-Kommission bestätigt den Vorfall.
Was genau ist passiert?
Am 24. März 2026 entdeckte die EU-Kommission einen Cyberangriff auf die Cloud-Infrastruktur hinter ihrer Webplattform Europa.eu. Die Angreifer verschafften sich Zugang zu mindestens einem AWS-Account der Kommission. Dabei wurden laut ersten Ermittlungen Daten gestohlen.
Die Kommission bestätigte den Datenabfluss in einem Statement, das BleepingComputer veröffentlichte. Die internen Systeme der Kommission waren laut Kommission nicht betroffen.
Wenige Tage später meldete sich die Erpressergruppe ShinyHunters zu Wort. ShinyHunters ist eine bekannte Gruppe im Bereich Datendiebstahl und Erpressung. Die Gruppe hat in der Vergangenheit unter anderem Match Group, Panera Bread und SoundCloud angegriffen. 2024 zahlte AT&T einem Mitglied der Gruppe laut Berichten 370.000 US-Dollar für die Löschung gestohlener Kundendaten.
Welche Daten wurden gestohlen?
ShinyHunters behauptet, über 350 GB an Daten erbeutet zu haben. Auf der Leak-Seite der Gruppe im Darknet sind bereits mehr als 90 GB veröffentlicht. Laut Sicherheitsforschern enthalten die geleakten Daten unter anderem E-Mails und Anhänge, ein vollständiges SSO-Nutzerverzeichnis, DKIM-Signaturschlüssel, AWS-Konfigurationsdaten und interne Admin-URLs.
Die DKIM-Schlüssel sind besonders kritisch. DKIM steht für DomainKeys Identified Mail und dient der Authentifizierung von E-Mails. Mit diesen Schlüsseln können Angreifer gefälschte E-Mails versenden, die Sicherheitsfilter passieren und wie offizielle EU-Korrespondenz wirken. Das Risiko für gezielte Phishing-Angriffe auf EU-Mitgliedstaaten steigt damit erheblich.
Was sagt AWS dazu?
Amazon Web Services stellte klar, dass die eigene Infrastruktur nicht betroffen war. Die AWS-Dienste funktionierten wie vorgesehen, so ein Sprecher gegenüber SecurityWeek. Der Angriff erfolgte über kompromittierte Account-Zugangsdaten, nicht über eine Schwachstelle in AWS selbst.
Ist das der erste Vorfall in 2026?
Nein. Ende Januar 2026 entdeckte die EU-Kommission einen separaten Sicherheitsvorfall. Damals wurde die Mobile-Device-Management-Plattform kompromittiert. Sicherheitsforscher vermuten eine Schwachstelle in der Ivanti-Software als Einfallstor. Die EU-Kommission hat den Angriffsvektor nicht offiziell bestätigt.
Zwei Sicherheitsvorfälle innerhalb von zwei Monaten werfen Fragen auf. Die EU-Kommission hat im Januar 2026 selbst neue Cybersicherheitsgesetze vorgeschlagen. Ausgerechnet die Institution, die Europas Sicherheitsstandards setzen will, wird wiederholt zum Ziel. Das dürfte die Debatte um Cloud-Sicherheit weiter befeuern.
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