Diese KI-Fakes geistern gerade durch eure Feeds und warum sie wiederkommen
KI-generiert mit ChatGPT
Drei Geschichten machen gerade in den sozialen Netzwerken die Runde. NVIDIA zahlt Hausbesitzern angeblich 22.000 US-Dollar im Jahr, ein Arzt googelt live mit ChatGPT, KI-Agenten töten sich gegenseitig. Alle drei wirken glaubwürdig. Genau das macht sie gefährlich.
- NVIDIA zahlt 22.000 US-Dollar fürs Mini-Rechenzentrum im Garten
- Der Arzt, der mit ChatGPT die Diagnose sucht
- Die KI-Agenten, die sich gegenseitig getötet haben
- Warum diese Fakes immer wiederkommen
- Häufige Fragen
- Was ist das XFRA-Programm von Span und NVIDIA?
- Was bedeutet agentic misalignment?
- Wie erkenne ich einen recycelten viralen Beitrag?
Spannend ist nicht nur, was wirklich dahintersteckt. Entscheidend ist auch der Bauplan: Diese Fakes kehren immer wieder, weil sie nach derselben Logik funktionieren. Manchmal wird eine reale Sache mit einer erfundenen Zahl aufgeblasen. Bei einem anderen Post wird ein alter Vorfall als brandneu verkauft. Zudem wird ein echtes Forschungsergebnis zu etwas Dramatischerem umgedichtet. Wer das Schema einmal kennt, durchschaut den nächsten viralen Aufreger schnell.
NVIDIA zahlt 22.000 US-Dollar fürs Mini-Rechenzentrum im Garten
In den Feeds kursiert ein verlockendes Versprechen. Wer NVIDIA erlaubt, ein kleines Rechenzentrum an die Hauswand zu hängen, soll dafür rund 22.000 US-Dollar im Jahr kassieren. Ein passives Einkommen, einfach fürs Bereitstellen von Standort und Strom.
Der wahre Kern ist real. Das Smart-Panel-Startup Span hat gemeinsam mit NVIDIA das System XFRA vorgestellt. Das sind kleine, verteilte Rechenknoten, etwa so groß wie eine Klimaanlage, die ungenutzte Stromkapazität in Wohngebieten anzapfen. Jeder Knoten ist mit 16 NVIDIA RTX Pro 6000 Blackwell GPUs, vier AMD-Prozessoren und 3 Terabyte Arbeitsspeicher bestückt. Der Homebuilder PulteGroup testet die Technik in neu gebauten Häusern.
Nur stimmt die Geldrichtung im Fake nicht. Span und mehrere US-Medien stellten klar, dass NVIDIA niemandem 22.000 US-Dollar überweist. Tatsächlich zahlen Hausbesitzer eine pauschale Monatsgebühr von rund 150 US-Dollar, mit der Span ihren kompletten Strom und das Internet abdeckt. Unterm Strich sinken also die laufenden Kosten, ein Nettogewinn in fünfstelliger Höhe entsteht nicht.
Die 22.000-US-Dollar-Zahl ist eine virale Erfindung, die auf X bereits per Community Note korrigiert wurde. Wie schnell sich eine erfundene Zahl verselbständigt, ließ sich kürzlich an einem angeblichen Datenleck beobachten. Dort stellte sich kein einziger Zugangsschlüssel als echt heraus.
Der Arzt, der mit ChatGPT die Diagnose sucht
Auf Social-Media kursiert ein Video, in dem ein Patient filmt, wie sein Arzt während der Behandlung ChatGPT befragt. Laut dem geposteten Chatverlauf macht der Mediziner das bei jedem Patienten.
Hier ist der Vorfall echt, aber alt. Der Nutzer Mayank Jain veröffentlichte den Screenshot Anfang Mai 2025. Der Anlass war, dass sein Vater sich mit einem Küchenmesser in den Finger geschnitten hatte. Auf dem Bild ist zu sehen, wie ChatGPT eine Einschätzung und einen Behandlungsplan ausgibt. Das war vor über einem Jahr.
Neu ist nur das Recycling. Ein KI-fokussierter Instagram-Account griff den Fall 2026 wieder auf und präsentierte ihn als aktuelle Geschichte. Ein über ein Jahr alter Vorfall wird ohne Datum erneut hochgeladen und wirkt dadurch frisch.
Die Empörung über den Arzt lenkt davon ab, dass die Szene längst durchs Netz gegangen ist. KI-Inhalte sind ohnehin schwer als solche zu erkennen. Das zeigte zuletzt ein echtes Monet-Gemälde, das Nutzer fälschlich für ein KI-Bild hielten.
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