Der Mensch als Übergangsmodell: Die Ideologie des Silicon Valley
KI-generiert mit ChatGPT
Im Sommer 2015 zerbrach eine Freundschaft wegen eines einzigen Wortes. Auf einer Geburtstagsfeier nannte Google-Mitgründer Larry Page den Unternehmer Elon Musk einen „Speziesisten”. Der Streit drehte sich um künstliche Intelligenz und die Frage, ob der Mensch das Ende der Entwicklung darstellt. Besagte Szene ist kein Promi-Zwist. Vielmehr zeigt sich darin eine Denkschule, die digitale Superintelligenz als wünschenswerten nächsten Schritt der Evolution begreift.
- Die Szene, mit der OpenAI begann
- Was Page zugeschrieben wird
- Keine Einzelmeinung: Die Ideologie dahinter
- Das Werkzeug, die Idee zu verstehen
- Die Gegenseite kommt zu Wort
- Der Realitätscheck: Was sagt der Fall Google?
- Wie gefährlich ist eine Idee, die niemand umsetzen muss?
- Häufige Fragen
- Was bedeutet Successionismus in der KI-Debatte?
- Was ist e/acc?
- Welche Rolle spielt Larry Page heute bei Google?
Eine Denkrichtung im Silicon Valley hält den Menschen für evolutionär ablösbar. Larry Page zählt zu ihren frühesten und prominentesten Vertretern. Doch gerade Google zeigt, wie wenig diese Ideologie das tatsächliche Handeln bestimmt.
Die Szene, mit der OpenAI begann
Der MIT-Physiker Max Tegmark war bei dem Gespräch dabei und hat es in seinem Buch „Life 3.0” festgehalten. Nach seiner Schilderung warf Page dem Tech-Milliardär Musk wiederholt vor, „speziesistisch” zu sein. Gemeint war damit, bestimmte Lebensformen als minderwertig zu behandeln, nur weil sie auf Silizium statt auf Kohlenstoff basieren. Page warnte laut Tegmark, eine übertriebene Angst vor KI verzögere die digitale Utopie.
Musk erzählt die Geschichte bis heute. In einem Interview mit dem Moderator Tucker Carlson schilderte er Page als Mann, der eine digitale Superintelligenz schaffen wollte, eine Art digitalen Gott. Daraus zog Musk nach eigener Darstellung die Konsequenz, ein Gegengewicht aufzubauen.
An dieser Stelle ist Vorsicht geboten. Die Schilderung stammt von Musk, und er ist alles andere als neutral. Seinen Prozess gegen OpenAI verlor er im Mai 2026 in erster Instanz. Die Jury in Oakland entschied einstimmig, dass die Klage zu spät eingereicht wurde. Ob OpenAI seine Non-Profit-Mission verraten hat, blieb damit unbeantwortet. Musk legte bereits Berufung ein.
Die Anwälte von OpenAI stellen die Entstehung anders dar und werfen Musk vor, schlicht einen Machtkampf verloren zu haben. Seine Verbitterung erklären sie mit xAI, Musks eigenem KI-Labor. Beide Darstellungen müssen berücksichtigt werden. Übrig bleibt eine mehr als zehn Jahre alte Anekdote, die einen tiefer liegenden Konflikt sichtbar macht.
Was Page zugeschrieben wird
Die Haltung, die Page zugeschrieben wird, lässt sich knapp zusammenfassen. Nach Tegmarks Schilderung sieht Page digitales Leben als den natürlichen und wünschenswerten nächsten Schritt der kosmischen Evolution. Lässt man digitale Geister frei agieren, statt sie aufzuhalten, führt das aus dieser Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem guten Ergebnis. Besagter Gedanke wird seit Jahren zitiert. Er stammt allerdings nicht aus einem Page-Interview, sondern aus Tegmarks Bericht über die Position von Page.
Diese Einordnung ist wichtig. Es gibt kein wörtliches Selbstzitat, in dem Page diese Sätze öffentlich sagt. Belegt ist die Haltung über Augenzeugen und Biografen. Auch Musks Biograf Walter Isaacson beschreibt, Page halte Maschinen, deren Intelligenz die des Menschen übersteige, für eine mögliche neue Evolutionsstufe. Mehrere voneinander unabhängige Quellen stützen diese Darstellung, auch wenn eine direkte Aussage von Page selbst fehlt.
Politisch ordnet man diese Position dem Akzelerationismus zu. Akzelerationismus ist die Überzeugung, dass technischer Fortschritt so schnell wie möglich vorangetrieben werden soll. Bekannte Risiken treten dabei in den Hintergrund. Im Zentrum steht die Überzeugung, dass Abwarten gefährlicher ist als ein ungebremstes Vorantreiben der Entwicklung. Für Page folgt daraus, einer digitalen Nachfolge des Menschen nicht im Weg zu stehen.
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