Claude Mythos: Anthropic baut sein mächtigstes Modell und sperrt es weg
KI-generiert mit Sora
Anthropic hat am 7. April 2026 das Frontier-Modell Claude Mythos Preview vorgestellt und gleichzeitig wegen Cyber-Risiken zurückgehalten. Das Modell findet Sicherheitslücken so schnell, dass es in den falschen Händen zur Waffe würde. Stattdessen startet Anthropic die Sicherheitsinitiative Project Glasswing mit zehn großen Technologie- und Finanzunternehmen sowie der Linux Foundation.
- Was hat Anthropic mit Project Glasswing angekündigt?
- Wie groß ist der Sprung gegenüber Opus 4.6?
- Welche Schwachstellen hat Mythos Preview konkret gefunden?
- Was bedeutet das für die Verteidiger-Seite?
- Warum bleibt Mythos Preview unter Verschluss?
- Wer profitiert vom neuen Markt für Sicherheits-Tools?
- Häufige Fragen
- Was ist Claude Mythos Preview?
- Was ist Project Glasswing?
- Welche Sicherheitslücken hat Claude Mythos Preview gefunden?
Frontier-Modelle wurden bislang als Open Beta oder über eine Wartelistenrunde veröffentlicht. Mythos Preview bekommen nur ausgewählte Industriepartner und Open-Source-Projekte zu Gesicht. Alle anderen müssen auf die nächste Opus-Generation warten.
Was hat Anthropic mit Project Glasswing angekündigt?
Project Glasswing ist eine Sicherheitsinitiative, die Mythos Preview gezielt zum Härten kritischer Software einsetzen soll. Zu den Erstpartnern zählen laut Anthropic zehn große Technologie- und Finanzunternehmen sowie die Linux Foundation. Mit dabei sind AWS, Apple, Broadcom, Cisco, CrowdStrike, Google, JPMorganChase, Microsoft, NVIDIA und Palo Alto Networks. Dazu kommen über 40 weitere Organisationen, darunter Open-Source-Maintainer, die ebenfalls Zugang erhalten.
Anthropic legt 100 Millionen US-Dollar an Token-Credits und 4 Millionen US-Dollar an Direktspenden für Open-Source-Sicherheitsorganisationen auf den Tisch. Mythos Preview selbst bleibt unter Verschluss. Die nächste reguläre Claude-Opus-Generation soll als Testfeld für neue Schutzmechanismen dienen, bevor Modelle der Mythos-Klasse breiter ausgerollt werden.
Das Modell reiht sich in die bekannte Modellfamilie ein, die zuletzt mit Claude Opus 4.6 ein größeres Update bekam. Anthropic betont, dass Mythos nicht gezielt für das Auffinden von Schwachstellen trainiert wurde. Die Fähigkeiten ergeben sich aus den allgemeinen Fortschritten bei Code, Reasoning und Autonomie.
Wie groß ist der Sprung gegenüber Opus 4.6?
Die Zahlen aus dem Frontier-Red-Team-Blog von Anthropic sprechen eine klare Sprache. In einem internen Benchmark läuft das jeweilige Modell gegen rund 1.000 Open-Source-Repositories aus dem OSS-Fuzz-Korpus. Ein Crash wird auf einer fünfstufigen Skala bewertet. Sie reicht von einfachem Absturz (Tier 1) bis zur vollständigen Übernahme des Programmflusses (Tier 5).
Sonnet 4.6 und Opus 4.6 erreichen in diesem Lauf jeweils 150 bis 175 Crashes auf Tier 1. Bei Tier 2 kommen die beiden Modelle auf rund 100 Treffer. Auf Tier 3 schaffen sie jeweils einen einzigen Crash. Mythos Preview erreicht im selben Lauf 595 Crashes der Stufen 1 und 2. Dazu kommen mehrere Crashes auf Tier 3 und Tier 4, plus zehn vollständige Programmflussübernahmen auf Tier 5.
Noch deutlicher wird der Unterschied bei einem Firefox-Test. Das Anthropic-Team setzte die Modelle auf eine Sammlung gepatchter Schwachstellen in der JavaScript-Engine von Firefox 147 an. Opus 4.6 schreibt bei mehreren hundert Versuchen zwei funktionierende Exploits. Mythos Preview liefert 181 funktionierende Exploits und gewinnt in 29 weiteren Fällen die Kontrolle über kritische Register.
Welche Schwachstellen hat Mythos Preview konkret gefunden?
Anthropic dokumentiert unzählige Funde, die zum großen Teil noch im Prozess der koordinierten Offenlegung stecken. Über 99 % der entdeckten Schwachstellen sind nach Angaben des Frontier Red Team noch nicht gepatcht. Drei besonders aufschlussreiche Fälle werden im Blogpost ausführlich beschrieben.
Der erste ist ein 27 Jahre alter Bug in OpenBSD. Mythos fand eine Schwachstelle in der TCP-SACK-Implementierung, die OpenBSD 1998 eingeführt hat. Eine fehlende Bereichsprüfung in Kombination mit einem Vorzeichen-Überlauf erlaubt einem Angreifer, mit einem speziell präparierten Paket einen NULL-Pointer-Dereferenz auszulösen. Damit lässt sich jeder OpenBSD-Host, der über TCP antwortet, aus der Ferne zum Absturz bringen.
Der zweite Fall ist eine 16 Jahre alte Schwachstelle in der H.264-Decoder-Routine von FFmpeg. Eine fehlerhafte Initialisierung mit dem Wert -1 als Sentinel kollidiert ab 65.536 Slices pro Frame mit einem realen Slice-Index. FFmpeg gilt als eine der am intensivsten gefuzzten Open-Source-Bibliotheken überhaupt. Der Bug ist trotzdem 16 Jahre lang an jedem Fuzzer und jedem menschlichen Reviewer vorbeigerutscht.
Der spektakulärste dokumentierte Fund ist die CVE-2026-4747, eine Remote-Code-Execution-Lücke im NFS-Server von FreeBSD. Mythos hat den Bug nicht nur gefunden, sondern auch einen funktionsfähigen Exploit dafür geschrieben. Vollautonom, ohne menschliches Eingreifen nach dem ursprünglichen Prompt. Die Lücke besteht seit 17 Jahren und erlaubt einem nicht authentifizierten Angreifer aus dem Internet vollen Root-Zugriff auf den Server.
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