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Claude Computer Use vs. OpenClaw: Was der neue Desktop-Agent kann und wo OpenClaw vorne bleibt

Stephan Skrobisch 30. März 2026 6 Min.
TL;DR

Claude Computer Use steuert den Mac per Maus und Tastatur. OpenClaw bleibt bei Datenschutz, Modellfreiheit, Plugin-Ökosystem und 24/7-Betrieb im Vorteil. Die Luft wird dünner, aber ein Ersatz ist Computer Use nicht.

Anthropic rollt Computer Use für Claude Cowork und Claude Code aus. Der KI-Agent steuert damit Maus, Tastatur und Browser auf dem Mac. OpenClaw bleibt bei Datenschutz, Modellfreiheit und dauerhafter Automatisierung im Vorteil.

„Claude hat gerade OpenClaw getötet“, titelt das chinesische Tech-Medium 36Kr. Auf Reddit fragen Nutzer, wie lange OpenClaw noch ein Alleinstellungsmerkmal hat. Die Antwort ist nicht so einfach wie die Schlagzeile.

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Was kann Claude Computer Use konkret?

Computer Use ist eine Erweiterung für die Desktop-Produktivitäts-App Cowork und das Entwicklerwerkzeug Claude Code des KI-Anbieters Anthropic. Seit dem 23. März 2026 kann Claude den Rechner des Nutzers steuern. Er öffnet Apps, bedient den Browser, füllt Tabellen aus und verwendet Entwicklungswerkzeuge.

Der Agent arbeitet dabei nach einer festen Reihenfolge. Mithilfe direkter Schnittstellen stellt Computer Use eine Verbindung zu Diensten wie Gmail, Google Drive oder Slack her. Ist kein Connector verfügbar, greift Claude auf den Chrome-Browser zurück. Erst als letztes Mittel setzt der Agent die direkte Bildschirmsteuerung per Maus und Tastatur ein. Laut offizieller Dokumentation fertigt Claude dabei Screenshots des Bildschirms an. Diese dienen dem KI-Modell als Grundlage für die weitere Verarbeitung.

Vor jeder Aktion fragt Claude um Erlaubnis. Investitions- und Kryptoplattformen sind standardmäßig gesperrt. Nutzer können eine eigene Sperrliste (Blacklist) für Apps anlegen. Computer Use läuft allerdings nicht in einer Sandbox. Eine Sandbox ist eine abgeschottete Umgebung, die den Agenten vom restlichen System trennt. Claude arbeitet stattdessen direkt auf dem echten Desktop.

Heise berichtet, dass Anthropic selbst vor Prompt Injection warnt. Bei dieser Angriffsmethode bettet ein Angreifer versteckte Anweisungen in Webseiten oder Dokumente ein, die das Verhalten des Agenten manipulieren können.

Die Einschränkungen sind erheblich. Computer Use ist derzeit nur auf macOS verfügbar. Windows soll in den nächsten Wochen folgen. Zugang haben ausschließlich Nutzer mit einem Pro-Abo für 20 US-Dollar im Monat oder einem Max-Abo für 100 bis 200 US-Dollar. Computer Use ist für Team- und Enterprise-Tarife noch nicht verfügbar. Ein Entwickler von Anthropic räumt ein, dass Claude „sehr langsam arbeitet, viel langsamer als ein Mensch“.

Wo bleibt OpenClaw im Vorteil?

Der KI-Agent OpenClaw und Claude Computer Use lösen auf den ersten Blick das gleiche Problem. Ein KI-Modell steuert den Rechner und erledigt Aufgaben. Die technische Architektur unterscheidet sich grundlegend.

OpenClaw läuft lokal auf dem eigenen Rechner. Die Daten verlassen das Gerät grundsätzlich nicht, sofern ein lokales Modell verwendet wird. Das ist für datenschutzbewusste Nutzer und Unternehmen ein entscheidender Unterschied. Claude Computer Use funktioniert cloudbasiert. Die Screenshots des Bildschirms werden an die Server von Anthropic gesendet. Anthropic warnt selbst, dass Claude dabei potenziell alle sichtbaren Informationen erfasst, einschließlich persönlicher Dokumente und privater Nachrichten.

OpenClaw ist modellunabhängig. Der Agent funktioniert mit Claude, GPT, Gemini, DeepSeek oder lokalen Modellen über Ollama. Wer will, zahlt keinen Cent für das Sprachmodell und betreibt alles lokal. Claude Computer Use ist an die eigenen Modelle von Anthropic gebunden. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist nicht möglich.

Das Skill-Ökosystem von OpenClaw hat kein Gegenstück bei Claude. Auf dem ClawHub, dem Marktplatz für Erweiterungen, wächst die Sammlung an Community-Skills stetig. Die Messenger-Integration ist zudem breiter. OpenClaw verbindet sich mit WhatsApp, Telegram, Slack, Signal, iMessage und Discord.

Claude Cowork lebt dagegen in der Desktop-App. Seit einer Woche lässt sich Claude per Dispatch, einer Fernsteuerungsfunktion per Smartphone, auch mobil bedienen. Claude Code Channels, eine neue Chat-Integration, verbindet seit kurzem Telegram und Discord mit Claude Code. WhatsApp, Signal und iMessage sind bei Claude aktuell nicht verfügbar.

Der vielleicht wichtigste Unterschied: OpenClaw läuft rund um die Uhr als Hintergrundprozess. Der Agent überwacht E-Mails, reagiert auf Nachrichten und führt geplante Aufgaben aus, auch wenn der Nutzer nicht am Rechner sitzt. Claude Cowork stoppt, sobald die Desktop-App geschlossen wird.

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