KI-Forschung im Visier: Spionagegruppe blieb zwei Jahre unentdeckt
KI-generiert mit ChatGPT
Eine mutmaßlich chinesische Spionagegruppe hat über Jahre nordamerikanische Forschungseinrichtungen ausgespäht. Laut der Google Threat Intelligence Group gehörte auch die KI-Forschung zu den Zielen. Die Gruppe blieb von September 2023 bis November 2025 unentdeckt. Der Fall ist mehr als ein Datenleck im Gesundheitssektor.
Google ordnet die Aktivität mit hoher Wahrscheinlichkeit der Gruppe UNC6508 zu und beschreibt sie als chinesische Staatsspionage. Betroffen waren medizinische, akademische und militärische Forschungseinrichtungen in den USA sowie Kanada. Einstiegspunkt waren exponierte Server der Plattform REDCap. Besagte Software dient dem Erfassen und Verwalten von Forschungsdaten und ist im nordamerikanischen Medizinbereich weit verbreitet. Wie die Angreifer erstmals Zugang erlangten, ist laut Google nicht abschließend geklärt.
KI-Forschung steht auf der Einkaufsliste
Der entscheidende Punkt ist die Bandbreite der Ziele. Google nennt die Bereiche explizit, darunter Verteidigungsstrategie, unbemannte Systeme, Cyber-Programme, Medizin und Künstliche Intelligenz. Über Jahre floss damit auch Forschung an KI-Systemen ab, nicht nur Gesundheitsdaten. Ein GTIG-Analyst bezeichnete die Bandbreite der gesuchten Themen an einem einzigen Standort als höchst ungewöhnlich. Laut GTIG ist sonst eine engere, auf die jeweilige Einrichtung zugeschnittene Sammlung üblich.
Technisch setzten die Angreifer eine Schadsoftware mit dem Namen INFINITERED ein. Sie nistet sich in die Systemdateien von REDCap ein, übersteht Upgrades und greift Anmeldedaten direkt auf der Login-Seite ab. Solch ein Credential-Harvester sammelt Zugangsdaten, während Nutzer sich ganz normal anmelden. Über eine Backdoor erhielten die Angreifer per HTTP-Cookies Fernzugriff. Der Fall passt zu einem Risiko, das wir bereits bei Document Poisoning in KI-Wissensbasen beschrieben haben: Manipulierte Informationen können Forschungs- und KI-Systeme direkt beeinflussen.
Wenn ein legitimes Feature zum Datenleck wird
Der zweite bemerkenswerte Aspekt ist der Weg der Datenexfiltration. Die Angreifer nutzten keine exotische Malware, sondern eine eingebaute Funktion von Google Workspace. Mit Administratorrechten legten sie eine Content-Compliance-Regel an. Diese Regel prüft E-Mails auf bestimmte Schlüsselwörter und leitet passende Nachrichten weiter.
Die Angreifer ließen E-Mails mit strategischen Stichworten heimlich an ein eigenes Gmail-Konto weiterleiten. Eine ähnliche Logik haben wir bereits bei der Exfiltration über ein manipuliertes Tabellenfeld in Google Sheets gesehen.
Google hat das Angreifer-Konto mittlerweile deaktiviert und nach eigenen Angaben Teile der genutzten Infrastruktur unschädlich gemacht. Wie systematisch solche Angriffe ablaufen, zeigt auch die Forschung zu den sechs Wegen, einen KI-Agenten zu kapern.
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