BSI warnt vor Claude Mythos: Paradigmenwechsel in der Cyberbedrohungslage
KI-generiert mit Sora
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik erwartet durch Claude Mythos einen Paradigmenwechsel in der Cyberbedrohungslage. BSI-Präsidentin Claudia Plattner sieht „Umwälzungen im Umgang mit Sicherheitslücken“. Das britische AI Security Institute liefert die Zahlen dazu. Das KI-Modell löst 73 % der Experten-Aufgaben und absolviert eine Angriffssimulation mit 32 Schritten in drei von zehn Versuchen.
BSI erwartet Verschiebung der Angriffsvektoren
Das BSI steht nach eigenen Angaben mit Anthropic im Austausch, konnte Claude Mythos aber bisher nicht selbst testen. Plattner bekam im persönlichen Gespräch mit den Entwicklern Einblick in die Funktionsweise. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur äußert sie eine deutliche Einschätzung. Laut Plattner sind „Umwälzungen im Umgang mit Sicherheitslücken und in der Schwachstellenlandschaft insgesamt“ zu erwarten. Konsequent zu Ende gedacht, könnte es mittelfristig keine unbekannten klassischen Software-Schwachstellen mehr geben. „Dies würde eine Verschiebung der Angriffsvektoren und einen Paradigmenwechsel mit Blick auf die Cyberbedrohungslage zur Folge haben“, zitiert ZDFheute Plattner.
Plattner verweist zudem auf Fragen der nationalen und europäischen Souveränität. Die Behörde befürchtet eine Abhängigkeit von einem Werkzeug aus US-Hand.
AISI-Zahlen: 73 % auf Expert-Level
Parallel zur BSI-Einschätzung hat das britische AI Security Institute am 13. April seine Evaluation veröffentlicht. Die Behörde prüfte Mythos Preview mit zwei Verfahren. In Aufgaben vom Typ „Capture the Flag“ auf Experten-Niveau erreicht das Modell eine Erfolgsquote von 73 %. Vor April 2025 hatte kein Modell diese Kategorie lösen können.
Die zweite Prüfung heißt „The Last Ones“ und simuliert einen 32-stufigen Angriff auf ein Firmennetzwerk. Menschliche Sicherheitsexperten benötigen dafür rund 20 Stunden. Mythos Preview absolviert die komplette Kette in drei von zehn Versuchen.
Die AISI räumt Grenzen ein. Die Testumgebungen enthielten keine aktiven Verteidiger, keine Endpoint-Detection und keine Echtzeit-Reaktion auf Vorfälle. Ob Mythos auch gut abgesicherte Systeme knackt, lässt sich daraus nicht ableiten.
Was das für deutsche Unternehmen bedeutet
Anthropic stellt Mythos im Rahmen von Project Glasswing nur einem begrenzten Partnerkreis zur Verfügung. Laut Help Net Security sind das unter anderem die Linux-Stiftung und rund 40 weitere Organisationen. Deutsche Behörden und mittelständische Unternehmen gehören nicht dazu. Das BSI verweist Organisationen deshalb auf die Basisarbeit wie Patch-Disziplin, strikte Zugriffskontrollen und lückenlose Protokolle. Wie OpenClaw die Sicherheitsfrage bei KI-Agenten insgesamt verschärft, zeigt die Diskussion um den Vollzugriff der Agenten auf den eigenen Rechner.
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