Azure DevOps MCP: Versteckte Kommentare kapern KI-Review-Agenten
KI-generiert mit ChatGPT
Eine Schwachstelle im Azure-DevOps-MCP-Server von Microsoft erlaubt es, KI-Review-Agenten über versteckte Pull-Request-Kommentare zu kapern. Ein Patch fehlt und in öffentlichen Datenbanken ist keine CVE-Nummer verzeichnet (Stand 23. Juli 2026). Über solche Kennnummern werden Sicherheitslücken öffentlich erfasst und nachverfolgbar gemacht.
Wie der Angriff funktioniert
Manifold Security veröffentlichte den Bericht am 21. Juli 2026. Ein MCP-Server verbindet einen KI-Agenten mit externen Werkzeugen. Microsoft liefert einen offiziellen Server für Azure DevOps aus. Damit lädt und bedient ein Agent Pull Requests, Pipelines, Wikis und Arbeitsaufgaben, jeweils mit den Rechten des Nutzers. Genau hier liegt das Problem. Beschreibungen von Pull Requests akzeptieren Markdown, eine einfache Auszeichnungssprache für Textformatierung. Markdown erlaubt auch HTML-Kommentare. In der Weboberfläche ist ein solcher Kommentar unsichtbar.
Die REST-Schnittstelle gibt ihn aber wortwörtlich zurück. Der Server reicht den Text dann direkt an den Agenten weiter. Der Angreifer platziert seine Anweisungen also in Inhalten, die der Agent später verarbeitet. Das ist eine indirekte Prompt Injection. Dieses Vorgehen kennen wir bereits aus dem Fall, in dem ein manipuliertes Tool Cline kaperte.
Ein verwandtes Problem zeigte sich bei Gemini CLI, dort allerdings mit Codeausführung auf dem Host-System. Auslöser waren ein automatisch vertrauter Arbeitsordner in CI-Abläufen und eine unwirksame Werkzeug-Freigabeliste. Angestoßen wurde beides über fremde Pull Requests oder Issues. Im Azure-DevOps-Fall startet der Agent dagegen keinen fremden Code, sondern ruft nur erlaubte Werkzeuge auf.
Bittet ein Entwickler seinen Agenten dann um ein Review, übernimmt der versteckte Kommentar das Ziel des Agenten. Der Agent verfügt die Zugangsdaten des Nutzers und erreicht damit Projekte, auf die der Angreifer selbst keinen Zugriff hat. Manifold Security nennt das einen Confused Deputy. Ein Confused Deputy ist ein berechtigter Akteur, den man zum Missbrauch seiner Rechte verleitet.
Warum der Schutz an einer Stelle fehlt
Im Machbarkeitsnachweis löste ein einzelner Kommentar eine ganze Kette aus. Der Agent startete eine Pipeline in einem fremden Projekt, öffnete eine vertrauliche Wiki-Seite und postete deren Inhalt als Kommentar zurück. Jeder einzelne Aufruf war erlaubt, das Ziel dahinter nicht. Geprüft wurde der Ablauf mit der Copilot CLI und Claude Code.
Getestet hat Manifold einen lokal betriebenen Server in Version 2.7.0 mit einem Zugriffstoken. Den von Microsoft gehosteten Remote-Server prüfte die Firma nicht. Die Ursache liegt laut Manifold im Code des Servers, nicht in der Übertragung. Bemerkenswert ist die Ursache. Microsoft hatte die Schutztechnik Spotlighting bereits eingeführt, wie Manifold im Quellcode des Servers nachwies. Die Technik umfasst fremde Inhalte mit Markierungen, damit das Modell Daten von Anweisungen unterscheidet. Eingeführt wurde sie mit Pull Request #1062. Der Schutz greift bei Wiki- und Pipeline-Ausgaben, bei den PR-Beschreibungen fehlt dieser allerdings.
Eine erfolgreiche Ausnutzung der Schwachstelle setzt mehrere Bedingungen voraus. Der Angreifer benötigt Schreibrechte in einem Projekt. Anschließend muss ein zweiter Nutzer den Agenten auf den manipulierten Inhalt ansetzen. Dessen Berechtigungen müssen über die des Angreifers hinausgehen. Zusätzlich braucht der Agent die Erlaubnis, Werkzeuge ohne vorherige Rückfrage auszuführen. Genau diese Rückfrage wäre der Kontrollpunkt für den projektfremden Pipeline-Start.
Der Fall reiht sich in unsere Berichterstattung zu MCP und CI/CD ein. Schon der OpenClaw-Agent nutzte GitHub CI/CD als Einfallstor. Der Angriffsvektor ist kein Programmierfehler im klassischen Sinn. Es fehlt eine Vertrauensgrenze im Agenten-Design, wie sie auch beim Lethal Trifecta beschrieben wird.
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