Alternative zu Captchas: Cloudflare Precursor erkennt Bots am Verhalten
KI-generiert mit ChatGPT
Cloudflare will die Abhängigkeit von lästigen Captchas verringern. Der neue Dienst Precursor erkennt Bots stattdessen anhand ihres Verhaltens über den Verlauf einer gesamten Sitzung. Laut Cloudflare ist der Dienst ab sofort verfügbar. Der Ansatz wirft allerdings auch Datenschutzfragen auf.
Wie Precursor arbeitet
Ein Captcha überprüft lediglich zu einem bestimmten Zeitpunkt, ob ein Mensch vor dem Gerät sitzt. Precursor prüft dies hingegen über die gesamte Sitzung hinweg. Dafür bettet Cloudflare beim Ausliefern einer Seite ein kompaktes JavaScript ein. Besagtes Skript sammelt laufend Signale aus dem Browser.
Zu diesen Signalen gehören laut Cloudflare Mausbewegungen, Tastaturaktivität, Wechsel des Fokus und die Sichtbarkeit der Seite. Entscheidend ist nicht ein einzelnes Ereignis, sondern die Summe der Interaktionen. Ein Bot kann seine Bewertung deshalb nicht durch einfaches Neuladen der Seite zurücksetzen. Der Hintergrund ist ein struktureller Wandel im Netz. Automatisierter Bot-Verkehr macht laut Cloudflare erstmals rund 57 % aller Anfragen aus. Damit überholen Maschinen die Menschen. Das passt zur Strategie, die Cloudflare zuletzt mit der Einteilung des KI-Traffics in drei Klassen verfolgt hat.
Warum Captchas an Grenzen stoßen
Moderne Bots führen JavaScript aus und nutzen echte Browser. Diese bestehen einzelne Captcha-Prüfungen ohne Probleme. Auch KI-Agenten sind dazu in der Lage. Schwer nachzuahmen bleibt aber menschliches Verhalten über einen längeren Zeitraum. Ein Mensch bewegt die Maus nicht mit mathematischer Präzision.
Precursor ist eine optionale Ergänzung zu Turnstile, der bestehenden Captcha-Alternative von Cloudflare. Beide sind Teil des Enterprise-Angebots für das Bot-Management. Wie leicht sich biometrische Prüfungen austricksen lassen, hat unser Beitrag zum Tinder Face Check und einem einzigen Foto gezeigt.
Der Datenschutz-Aspekt
Der Ansatz ist aus Sicht des Datenschutzes heikel. Cloudflare sammelt ein breites Bild vom Verhalten der Nutzer. Das Unternehmen betont aber, dass Precursor mit Blick auf den Datenschutz entwickelt wurde. Bei der Tastatur werden nur die Zeitabstände zwischen den Anschlägen und der Eingaberhythmus erfasst. Die tatsächlich gedrückten Tasten bleiben außen vor.
Die gesammelten Verhaltensdaten werden zudem aggregiert verarbeitet. Sie werden nicht dauerhaft einzelnen Konten zugeordnet. Trotzdem werden dabei deutlich mehr Daten erfasst als bei einem einmaligen Klick auf ein Captcha. Wie weitreichend die Zugriffsrechte von KI-Systemen heute sind, zeigt die Sicherheitsfrage rund um KI-Agenten mit Vollzugriff.
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