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350 Millionen Dollar gegen KI-Jobverluste: Dario Amodei legt politischen Fahrplan vor

Stephan Skrobisch 18. Juni 2026 5 Min.

Anthropic hat einen politischen Vorschlag zum Umgang mit den Folgen von KI für die Arbeitswelt veröffentlicht. Insgesamt 350 Millionen US-Dollar stellt der Konzern dafür bereit. Das Geld verteilt sich auf zwei getrennte Initiativen. Das KI-Lab will 200 Millionen US-Dollar in einen Forschungsfonds stecken und weitere 150 Millionen US-Dollar in das Fellowship-Programm Claude Corps. Begleitet wird das Paket von einem Grundsatzessay von CEO Dario Amodei zur künftigen Regulierung von KI.

Der Schritt fällt in eine Phase, in der die Debatte über KI und Arbeitsplätze an Schärfe gewinnt. Anthropic versucht damit, sich an die Spitze der politischen Diskussion zu setzen. Der Konzern macht zugleich konkrete Geldzusagen, statt nur Forderungen zu formulieren.

Worum geht es in dem Politikvorschlag?

Das Paket besteht aus drei Teilen. Den Rahmen bildet ein Grundsatzessay von Dario Amodei mit dem Titel „Policy on the AI Exponential“. Dazu kommen zwei formale Vorschläge. Das Advanced AI Framework regelt die Sicherheitsprüfung von Modellen, das Economic Policy Framework die Folgen für den Arbeitsmarkt. Der Essay markiert eine deutliche Kehrtwende. Drei Jahre lang setzte sich Anthropic vor allem für Transparenzregeln ein und plädierte dafür, mit verbindlicher Gesetzgebung zu warten. Diese Position gibt der Konzern nun auf. Amodei fordert eine verpflichtende Prüfung von Spitzenmodellen durch unabhängige Dritte.

Als Vorbild dient ihm die Luftfahrt. So wie ein Flugzeug vor dem Start zugelassen werden muss, sollen auch besonders leistungsfähige KI-Modelle vor ihrer Veröffentlichung geprüft werden. Der Staat soll zudem die Befugnis erhalten, die Freigabe eines Modells zu blockieren oder rückgängig zu machen. Das gilt für den Fall, dass ein Modell laut unabhängiger Prüfung ein nicht hinnehmbares Risiko darstellt.

Der Essay spannt fünf Politikfelder auf: Sicherheitsregulierung, Makroökonomie und Steuern, wissenschaftliche Innovation, das Verhältnis von Staat und Gesellschaft sowie Geopolitik. Für diesen Artikel steht das wirtschaftliche Feld im Mittelpunkt, denn dort setzen die beiden Geldzusagen an.

Genau diese Sorge zieht sich durch das Economic Policy Framework. Laut Anthropic verändert KI die unterste Stufe der Karriereleiter besonders stark. Amodei hatte bereits zuvor öffentlich vor Verwerfungen am Arbeitsmarkt gewarnt, gerade bei Einstiegsjobs. Wer neu in den Arbeitsmarkt kommt, trifft auf Tätigkeiten, die sich durch Automatisierung rasch wandeln. Welche arbeitsrechtlichen Fragen das aufwirft, zeigt das Hangzhou-Urteil zur Kündigung wegen KI aus China.

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Der Forschungsfonds: 200 Millionen für Wirtschaftsdaten

Die erste Säule ist der Economic Futures Research Fund mit einem Volumen von 200 Millionen US-Dollar. Dieser finanziert Forschung zu den wirtschaftlichen Folgen von KI. Ziel ist eine bessere Datengrundlage für politische Entscheidungen. Schon heute sind die Folgen am Arbeitsplatz unklar. Das zeigt der Fall, in dem Angestellte ihre Jobs heimlich an KI auslagerten.

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Der Fonds ist organisatorisch vom Fellowship getrennt. Während Claude Corps Menschen ausbildet und vermittelt, geht es bei Fonds um Studien und Analysen. Beide Programme wurden am selben Tag angekündigt, sind aber eigenständige Vorhaben.

Die Trennung ist wichtig für das Verständnis. In der Berichterstattung werden die beiden Initiativen leicht vermischt. Tatsächlich adressieren sie unterschiedliche Aufgaben, die nur unter einem gemeinsamen Dach stehen.

Claude Corps: 150 Millionen für 1.000 Fellows

Die zweite Säule ist Claude Corps, ein nationales Fellowship-Programm in den USA. Anthropic stellt dafür zunächst 150 Millionen Dollar bereit. Das Programm schult 1.000 Berufseinsteiger im Umgang mit Claude und vermittelt sie anschließend an gemeinnützige Organisationen.

Jeder Fellow arbeitet zwölf Monate in Vollzeit sowie in Präsenz bei einer Organisation. Das Gehalt beträgt 85.000 US-Dollar pro Jahr, dazu kommen Sozialleistungen und laufende Schulungen. Die Organisationen erhalten zusätzlich einen Zuschuss von 10.000 US-Dollar sowie kostenlosen Zugang zu Claude.

Getragen wird das Programm von drei Partnern. Anthropic finanziert es, liefert die Claude-Expertise und führt die Gesamtstrategie. Die Bildungsorganisation CodePath ist der rechtliche Arbeitgeber der Fellows und übernimmt die Programmgestaltung. Die gemeinnützige Organisation Social Finance verantwortet Messung und Auswertung.

Die Einstiegshürden sind bewusst niedrig. Bewerben kann sich, wer mindestens 18 Jahre alt ist, in den USA arbeiten darf und höchstens zwei Jahre Vollzeit-Berufserfahrung hat. Ein Hochschulabschluss ist nicht erforderlich.

Wie weit die Entwicklung bereits ist, zeigt der Fall bei Fiege. Dort erledigt ein KI-Agent über 70 % der Carrier Claims.

Die erste Kohorte umfasst rund 100 Fellows und startet im Oktober 2026. Die Bewerbungsfrist für diese erste Gruppe endet am 17. Juli 2026. Mehr als 400 gemeinnützige Organisationen sollen im ersten Jahr Fellows aufnehmen. Weitere Durchgänge folgen laut eigenen Angaben 2027.

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